„Und leider geht es in der Schule immer noch (oder wieder vermehrt?) um Wissensvermittlung statt um Bildung.“

Aber der Aufhänger dieses Artikels war ja die Frage nach der Macht.
Und für mich ist die Angst vor dem Machtverlust nicht der Grund für ein radikales Handyverbot in der Schule.

Jedenfalls nicht der Machtverlust in Bezug auf „das Wissen“.

Viel mehr ist es im Schulalltag tatsächlich ein riesiges Problem, dass die Kids ihre Hände nicht vom Handy lassen können.
Bei uns an der Schule sind sie radikal verboten. Ein Umsetzung dieses Verbots lässt sich nicht umsetzten. Ich könnte jeden Tag 100 Telefone einkassieren.
Soweit zu diesem Dilemma.
Ich löse es in der Begrenztheit meiner Klasse. Ich bin das Gesetz. Ich entscheide wann es – zum Beispiel als Wörterbuch – zum Einsatz kommt.

Aber zum Reizwort „Kompetenzen“:

Ja, die Kompetenzvermittlung ist der wichtigste Teil der Bildung.

Das Wort „Kompetenzen“ steht allerdings auch auf der Sau, die in den letzten Jahren durchs bundesrepublikanische Bildungsdorf getrieben wird.

Natürlich ist es genial, wenn Schüler kompetent sich selber Wissen aneignen, meinetwegen auch mit einem Handy.
Aber zu glauben, jetzt lassen wir die mal alles selber lernen, die wissen schon was sie wo, wie suchen müssen, das ist eine Katastrophe.
Die guten Schüler können zwar von einem solchen System profitieren, eine große Mehrheit geht aber in der Tyrannei der Lernmöglichkeiten unter.
Reines E-Learning funktioniert nicht!

Noch ein Pisa-Schock:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/oecd-erste-pisa-erhebung-zu-digitalen-kompetenzen-13804857.html

Wie man mittlerweile festgestellt hat, beruhte das geniale Pisa-Ergebnis der Finnen aus dem Jahre 2000 nicht auf dem Kompetenz-Gruppenarbeit-Wir-lernen-alleine-System der Finne zur Zeit der ersten Pisa-Studie, sondern es war der Überhang aus einem Schulsystem, welches auf radikalem Frontalunterricht beruhte.

Finnlands Pisa-Wunder entpuppt sich als Irrtum:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article143637971/Finnlands-Pisa-Wunder-entpuppt-sich-als-Irrtum.html

Ich will jetzt Pisa hier nicht hochjubeln, schon gar nicht, da die finnischen Schüler im alten System äußerst ungern zur Schule gegangen sind (was es ja auch nicht sein kann), aber die autonomen Lerner, sind nach meiner Erfahrung eine Minderheit unter den Schülern, nicht weil das Schulsystem schlecht ist, oder die Lehrer es nicht drauf haben, sondern weil es dabei auch auf Disziplin und Reife ankommt, über die viele Schüler noch nicht verfügen. Das ist nicht schlimm. Das ist sogar normal. Aber es ist eben so.

Bei der Mehrheit der Schüler führt der Erwerb oder die Vermittlung von Kompetenz, losgelöst vom Faktenwissen und einem Experten dazu, dass am Ende werde das Eine noch das Andere vorhanden ist.