Gitarrenumbau à la Jacob Collier

Als wir im Sommer 2023 nach dem Konzert von Jacob Collier das Tollwood-Festivalgelände in München verlassen haben mussten viele Eindrücke verarbeitet werden. Dabei kam auch eine kleine Beobachtung zur Sprache: Hat Jacob Collier mit einer 5-saitigen Gitarre gespielt? Eine kurze Websuche bestätigte das, Die Gitarre schien aber ein Einzelstück zu sein. Ein Wunsch war geboren.

Mittlerweile hat der Kapitalismus gesiegt und es gibt mehrere dieser 5-saitigen Modelle zu kaufen; aber eine Taylor-Gitarre kauft man sich nicht einfach mal so im Vorbeigehen, nur um so etwas wie ein anderes Tuning auszuprobieren. Aber ausprobiert haben wir eine dieser Gitarren dann unlängst bei unserem jährlichen Thomann-Besuch. Wir hatten einen Eindruck von Geometrie und Spielbarkeit bekommen und der Wunsch wurde stärker, selbst eine Gitarre von sechs auf fünf Saiten umzubauen.

Was ist der Unterschied zwischen einer normalen 6-saitigen Gitarre und einer 5-saitigen Jacob Collier-Gitarre? Die Anzahl der Saiten, klar. Fünf Finger, fünf Saiten, so die einfache Collier-Logik. Außerdem ein offenes Tuning, das dazu symmetrisches (oder wie Jacob Collier sagt: “palindromic”) ist: D – A – E – A – D

Zwei Videos, in denen er die Idee erklärt. Eine kurze Einführung und ein Deep Dive:

Zum Umbau einer Gitarre braucht es aber zunächst eine passende Gitarre, und zwar eine, die so gut wie nichts mehr wert ist, denn unsere Erfahrungen im Instrumentenbau halten sich doch sehr in Grenzen. Letztes Wochenende ist mir eine ca. 25 Jahre alte Yamaha APX-5A über den Weg gelaufen, sicher 10 Jahre nicht gespielt, im feuchten Keller gelagert, mit kleinen Rissen in der Decke und durchgespielten Bünden. Also ein ideales Umbau-Testobjekt.

Der Umbau

Da der Saitenabstand der 5-saitigen Taylor-Gitarren recht hoch war haben wir beschlossen, die äußeren Saiten beim Umbau an Ort und Stelle zu lassen und die restlichen 3 Saiten dazwischen auszumitteln. Der Plan war:

  1. Umbau des Sattels: Neue Schlitze für die 3 neuen Saitenpositionen.
  2. Die größte Baustelle: Der Umbau des Stegs. Verschließen der 4 nicht gebrauchten Löcher für die Stegstifte und Bohren neuer Löcher.
  3. Ein Kinderspiel: Entfernen des nicht gebrauchten Wirbels.
  4. Gitarrenpflege.

1. Umbau des Sattels

Es wäre sicher eleganter gewesen, den Sattel durch einen komplett neuen Sattel zu ersetzen. Das hätte aber Recherche, Beschaffung und einiges mehr an Anpassungsarbeiten etc. bedeutet. Wir haben beschlossen, den Sattel an der Gitarre zu belassen und haben mit Dremel, einer kleine Eisensäge und einem scharfen Cuttermesser neue Führungen für die neuen Saiten in den Sattel gearbeitet. Den Saitenabstand haben wir äquidistant gehalten. Bei der Tiefe und Breite der Schlitze haben wir uns an den vorhandenen Schlitzen orientiert: Die Saitenlage sollte grob passen und auch das Stimmen sollte möglich sein, ohne dass die Saiten klemmen.

Wichtig vielleicht noch: Die 6-saitige Gitarre wurde um die G-Saite reduziert.

2. Umbau des Stegs

Der Umbau des Stegs war der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Der Plan war: Wir bohren die 6mm-großen Löcher der Stegstifte auf 8mm auf. Die Löcher sind oben angefast (heißt das so?), und diese konischen Fasen müssen mit verschwinden, damit der Steg oben wirklich flach ist, um die neuen Löcher sauber bohren zu können. Dann schneiden wir 8er Holzdübel auf die richtige Länge zurecht und leimen sie in die Löcher. Die Dübel werden dann oben bündig geschliffen, 3 neue Löcher markiert, mit einem kleinen Bohrer vorgebohrt und sukzessive auf wieder 6mm aufgebohrt. Am Ende fasen wir die Löcher wieder mit einem Kegelsenker an und fertig.

Das hat fast geklappt. Der größte Fehler war, dass wir die Löcher direkt auf 8mm aufgebohrt haben. Besser wäre ein vorsichtiges, stufenweises Aufbohren gewesen; denn beim Bohren sind Teile des Stegs zwischen den Löchern ausgerissen. Wir haben versucht, das beim Einleimen der Holzdübel mit Spänen und Holzleim zu verfüllen. Pfusch, der wie so oft überraschend gut geklappt hat.

3. Entfernen eines Wirbels

Im Vergleich mit einer normalen 6-saitigen Gitarre wurde ja beim Umbau die G-Saite entfernt, daher haben wir auch den Wirbel der G-Saite entfernt:

4. Finalisieren

Vor dem Besaiten wurde die Gitarre noch gründlich gereinigt und der Hals wie üblich mit Dunlop 65 Lemon Oil gepflegt, ebenso der grob angeschliffene Steg. Außerdem haben wir den Hals noch neu eingestellt, die Saitenlage hat überhaupt nicht gepasst. Das Überprüfen der Bundreinheit haben wir uns allerdings erspart, wir wollten uns die gute Laune nicht verderben.


Der Umbau war eine ziemliche Hauruck-Aktion ohne große Vorplanung, und dafür ist er überraschend problemlos durchgelaufen. Am Ende hatten wir ein dickes Grinsen im Gesicht und eine “neue” Gitarre in der Hand:

0 Reaktionen auf “Gitarrenumbau à la Jacob Collier

  1. Daniel Weber

    Ich schrub was zu einer Gitarren-Bastelei:

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