Archiv für den Monat: Mai 2010

Erhaltung des Negativitätsbedarfs

[Der] vierte kulturdynamische Erhaltungssatz ist der Satz der Erhaltung des Negativitätsbedarfs. Wo Kulturfortschritte wirklich erfolgreich sind und Übel wirklich ausschalten, wecken sie selten Begeisterung: sie werden vielmehr selbstverständlich, und die Aufmerksamkeit konzentriert sich dann auf jene Übel, die übrigbleiben. Dabei wirkt das Gesetz der zunehmenden Penetranz der Reste: Je mehr Negatives aus der Wirklichkeit verschwindet, desto ärgerlicher wird – gerade weil es sich vermindert – das Negative, das übrigbleibt. Knapper werdende Güter werden immer kostbarer: sie werden immer plagender, und Restübel werden schier unerträglich (darum ängstigen heute weniger die Risiken, viel mehr die Restrisiken). Wer – fortschrittsbedingt – unter immer weniger zu leiden hat, leidet unter diesem Wenigen immer mehr; er ähnelte der „Prinzessin auf der Erbse“, die, weil sie unter nichts Anderem mehr zu leiden hatte, nun unter einer Erbse litt.

via Stattdessen (1999, S.37f.)

Facebook und die Netzneutralität

Facebook für lahme Mobilfunknetze: 0.facebook.com

0.facebook.com ist eine neue mobile Seite, die alle Kernfunktionen von Facebook beinhaltet, die auch über m.facebook.com zu sehen sind. Dazu zählen Status updaten, News-Feeds ansehen, Kommentare posten, Nachrichten an Freunde schicken und beantworten oder an die Pinnwand schreiben.

via winload.de

Eigentlich, ja eigentlich sollten wir Facebook doch dankbar für den neuen Dienst sein. 0.facebook.com heißt die Seite, über die man in 45 Ländern (Deutschland nicht) nun mit dem Handy kostenlos Facebook nutzen kann. D.h. Facebook hat Verträge mit ca. 50 Mobilfunkanbietern geschlossen, die Daten, die über diese Adresse laufen, nicht abrechnen. Der Vorteil für beide Seiten liegt auf der Hand: Die Facebook-Nutzung wird für den Nutzer noch attraktiver, wovon Facebook profitiert, und der Mobilfunkanbieter wird verdienen, weil der User dann doch irgendwann das Angebot von Facebook verlassen wird, spätestens um kostenpflichtige Facebook-Bilder anzusehen oder irgend welchen Links zu folgen.

Trotzdem hab ich ein massives Problem mit diesem neuen Dienst: Noch nie hat ein Anbieter derart unverblümt die Netzneutralität verletzt (vielleicht hab ich das nur nicht mitbekommen). Das klingt zunächst etwas albern, bei einem kostenlosen Dienst von Netzneutralität zu sprechen, aber genau darum geht es in meinen Augen:

Netzneutralität ist eine Bezeichnung für die neutrale Datenübermittlung im Internet. Sie bedeutet, dass Zugangsanbieter (access provider) Datenpakete von und an ihre Kunden unverändert und gleichberechtigt übertragen, unabhängig davon, woher diese stammen oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben.

via de.wikipedia.org

Zum ersten Mal stelle ich mir ernsthaft die Frage, wo meine persönliche Schmerzgrenze im Bezug auf Facebook eigentlich liegt. Oder reagiere ich über? Oder überreagiere ich gar?

Wie es kommt und wie es kommen kann

In Zukunft werden Produkte nach den Wünschen des Einzelnen produziert. Und dann gibt es noch Gegentrends, ergänzt Gebhardt. Deren Logik besteht darin, dass man Dinge oft erst zu schätzen weiß, wenn sie vorbei sind: »Alles, was zu verschwinden droht, gewinnt an Bedeutung.« Ein schöner Satz.

via fluter.de

Wirklich ein schöner Satz. Das aktuelle fluter.-Heft kannst du hier herunterladen, künftige Ausgaben hier kostenlos abonnieren.