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Wie man 2021 gratuliert

Viel gibt es nicht zu sagen zu meinem 2. Corona-Geburtstag. Hätte ja ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, nochmal einen Pandemie-Geburtstag zu „feiern“.  Trotz allem darf die jährliche Geburtstagsstatistik aber nicht fehlen.

Direkt zu den diesjährigen Daten, hier die Verteilung:

Facebook und WhatsApp (und damit Facebook) dominieren weiter, bauen den Vorsprung sogar aus. In absoluten Zahlen stimmt das aber nicht, es sind in diesem Jahr wohl eher andere Kanäle weggebrochen, die Facebook/WhatsApp-Schiene läuft einfach pandemieunabhängig noch ganz gut durch.

Zum Zeitverlauf:

Die weiteren Beobachtungen in diesem Jahr:

  • Corona, was sonst. Generell glaube ich eine gewisse Gratulationsmüdigkeit auszumachen. Geht mir selbst ja auch so. Aber: Ein paar mehr persönliche Gratulationen an der Haustür im Vergleich zum letzten Jahr, da ging so etwas ja gar nicht.
  • Messanger: Auch nach der Anmeldewelle bei Signal etc. in den letzten Monaten hielten sich die Gratulationen über diese Kanäle in Grenzen. WhatsApp dominiert (in meinem Umfeld jedenfalls) weiter.
  •  Das kleine Email-Revival des letzten Jahres hat sich stabilisiert. Ich mag Email ja immer noch sehr gerne.
  • Der große Zoom-Peak aus dem letzten Jahr ist komplett wieder verschwunden. Wer hat auf sowas gerade auch noch Lust?

Auch in diesem Jahr gab es wieder eine spezielle Gratulationsart. Ich hatte ja schon Gratulieren per Senfbeutel, Gratulieren per Steppenläuferstrauch oder Keybase.io, per Flöte oder DNS-Eintrag, oder im letzten Jahr per echtem Telegramm oder als Beitrag zu meinem Happybirthday-Chor. In diesem Jahr hat sich ein alter Bekannter dieser Aufzählung hier wieder etwas Neues einfallen lassen: Gratulation per Überweisung! Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, daraus eine Tradition zu machen 😉

Danke jedenfalls für alle guten Wünsche! Und ich hoffe für uns alle, dass im nächsten Jahr „persönlich“ einen Peak haben wird.

Nachtrag: Es ging noch ein Brief und ein Gruß per LinkedIn ein. Werden nächstes Jahr in den korrigierten Grafiken mit berücksichtigt werden.

Wo ist Paul?

Gestern war so schönes Wetter, wir hatten Zeit und haben endlich die kostenlose Würzburg-Schnitzeljagd „Wo ist Paul?“ durchgespielt. Hatten wir schon lange vor, und wir waren wohl nicht die einzigen… An wirklich jeder Station haben wir andere Spieler getroffen, die mit dem Handy in der Hand versucht haben, die Rätsel zu lösen.

„Wo ist Paul?“ ist eine Art digitale Schnitzeljagd durch Würzburg. Man spielt eine fiktive Geschichte, in der man den verschollenen Ersti Paul durch das Lösen einiger Rätsel wiederfinden will:

Einige Erstis waren abends zusammen unterwegs, nach einigen Drinks war plötzlich ihr neugewonnener Freund Paul verschwunden. Trotz einigen Suchens haben sie ihn am Abend nicht mehr gefunden. Als er auch am nächsten Morgen noch nicht an sein Handy geht, beginnen sie sich Sorgen zu machen.

Die App beinhaltet die Rätsel, eine Karte und einen Chat, in dem im Lauf der Suche auch immer neue Nachrichten eintreffen. Alle Details findest du auf der Webseite zu dem Spiel unter https://wuerzburg-schnitzeljagd.de/.

Das Spiel hat schon Wellen geschlagen, es gab Berichte in der Mainpost, bei Würzburg erleben, bei Radio Gong, der Stadt Würzburg, im Frizz und auch ein schönes Interview bei tv Mainfranken. Freut mich für die EntwicklerInnen, weil ich die auch persönlich kenne. Schon nicht schlecht (<= fränkisches Lob), was sie da in ihrer Freizeit so auf die Beine gestellt haben. Entstanden ist das Spiel durch die Überlegung, wie die CityChurch Würzburg, zu der die EntwicklerInnen gehören, in der Corona-Zeit vor allem Erstsemestern den schwierigen Start in eine vielleicht neue Stadt etwas angenehmer gestalten könnte. Es gibt keine Erstsemesterveranstaltungen, keine Erstsemesterspielchen, man lernt seine Mitstudierenden kaum kennen etc. Und so hat man wenigstens die Möglichkeit, mit einer kleinen Gruppe Menschen die Stadt etwas besser kennenzulernen und dabei noch Spaß zu haben. Also Wegbier und WG-MitbewohnerIn einpacken und los!

PS: Die App gibt es hier für Android und iOS.

O du fröhliche

„O du fröhliche“ ist neben „Stille Nacht“ der Klassiker als letztes Lied in den Gottesdiensten an Heilig Abend. Zusammen Singen ist aus den bekannten Gründen ja immer noch nicht, daher habe ich mal wieder eine Art „virtuellen Chor“ organisiert. Diesmal allerdings recht anspruchslos, also eher gemeinsames Singen als Chor: Eine Vorlage mit Klavier und einer Stimme, zu der jeder einfach dazu singen und sich dabei filmen konnte. Die Idee: Wenn schon nicht gemeinsam gesungen werden kann, dann kann doch wenigstens jeder, der will, beim „O du fröhliche“ am Ende des Gottesdienstes dabei sein, egal, ob er oder sie singen kann oder nicht. Wie es sonst eben auch so wäre. Wenn genug Leute mitmachen, dann kommt es nicht mehr so sehr darauf an, wie gut und sauber die oder der Einzelne singt. Wer nicht singen wollte durfte auch ein Instrument nutzen oder sonst irgendwie kreativ werden. Das Ergebnis:

DANKE nochmal an alle Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker!

Falls du dich für das Technische interessierst: Es waren am Ende 58 Videos, die zu einem einzigen zusammengeschnitten werden wollten, und zwar nicht wie z.B. bei einem Urlaubsvideo hintereinander, sondern gleichzeitig. Aufgrund der Erfahrungen mit den anderen Sing-Videos dachte ich ja, dass das Schneiden und Rendern kein so großes Ding werden würde. Allerdings hat das meinen eigentlich sehr potenten Rechner doch an seine Grenzen gebracht. Ich hatte wirklich genug Zeit für’s Rendern eingeplant, damit das Video an Heiligabend gezeigt werden konnte. Dachte ich. Ich rechnete damit, das locker über Nacht rendern zu können, immerhin ging es um ein Video mit nicht mal drei Minuten. Am Ende waren es fast 21 Stunden Rendern unter Volllast auf allen 12 Kernen. Bei einem Abbruch oder einem Fehler hätte es für einen zweiten Versuch nicht gereicht, ich war daher einigermaßen erleichtert, als das Video final und einigermaßen brauchbar da lag. Vermutlich würde es helfen, die Einzelvideos im Vorfeld auf die Zielgröße zu rendern und dann erst ins finale Video einzubauen. Nächstes Mal dann, man lernt nicht aus…

Phoniebox: Der Koffer für den kleinen Mann

Menschen mit kleineren Kindern kennen sicherlich die Toniebox: Eine kleine Kiste, auf die kleine Kinder kleine Figuren stellen, worauf die Kiste dann Musik oder Hörspiele abspielt. Für Menschen mit Spaß am Basteln gibt es dazu ein alternatives Selbstbauprojekt, die sog. Phoniebox. Mein Freund Markus hat ein kleines Kind und Spaß am Basteln. Ich habe auch Spaß am basteln, also haben wir gebastelt. Das ist dabei herausgekommen:

Phoniebox kann sowohl lokal auf der Kiste gespeicherte Audiodateien abspielen, als auch Spotify (einzelne Songs, Playlisten, Alben, was auch immer). Hat die Box kein WLAN, dann spielt sie eben nur die lokalen Sachen ab, denn Spotify kann nur gestreamt werden.

Was jetzt noch kommt ist mehr eine Gedankensammlung und Dokumentation dessen, was wir gemacht haben als eine Anleitung, wie man den Koffer exakt nachbaut. Der eine oder andere brauchbare Hinweis ist aber vielleicht trotzdem dabei, und das meiste ist auf den ebenfalls verlinken Projektseiten ja bestens beschrieben.

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How Great Thou Art

Eine der schlimmsten Dinge, die man während der Corona-Zeit machen kann, ist bekanntlich gemeinsames Singen. Es ist jetzt nicht so, dass gemeinsames Singen etwas ist, was ich ständig tue, aber immerhin mache ich hin und wieder mit einer kleinen, aber feinen Band Musik, zu der dann im Rahmen von Gottesdiensten gesungen wird. Auch das findet im Moment nicht statt, und bei einer Bandbesprechung (Videokonferenz, wie sonst) kam mal wieder die „How Great Thou Art“-Version von Home Free auf den Tisch. Es entstand die Idee, diesen Song als virtuellen Chor zu versuchen. Also Leuten, die Freude am Singen, aber dafür im Moment keine Gelegenheit haben, genau eine solche zu geben.

Also haben wir uns die Noten besorgt, daraus für jede der 5 Stimmen eine Audiospur zum Mitsingen erzeugt und einfach Leute eingeladen, eine Spur (oder auch mehrere) einzureichen. Das Stück hat sich als nicht ganz trivial herausgestellt, im Verlauf des Projekts ist ein nicht unerheblicher Teil der SängerInnen wieder abgesprungen… Es ist auch ein riesiger Unterschied, eine Stimme in einem echten Chor oder sie alleine in eine Kamera zu singen, das hatte ich etwas unterschätzt. Im Chor hat man seine Stellen, an denen man sicher ist, bei anderen kann man sich an andere SängerInnen dran hängen. Einsätze, Aussprache, Längen, alles wird im Lauf der Zeit im Chor synchronisiert. All das fällt hier weg. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, und mit dem Ergebnis bin ich doch auch ziemlich zufrieden(*):

Gezeigt wurde das Stück dann am letzten Sonntag im Rahmen des Gottesdienst-Livestreams, in dem ich auch sonst musikalisch beteiligt war, wenn auch nur am Rande.

Nochmal ein dickes DANKE an alle Sängerinnen und Sänger!

(*) Es war auch das erste Mal, dass ich so etwas in Ableton zu mischen versucht habe. Einiges gelernt, auch vom Junior, der da doch etwas weiter ist als ich…

Wie man 2020 gratuliert

Der letzte Geburtstag ist jetzt fast 4 Wochen her, der letzte Blogpost ca. 50 Wochen. Höchste Zeit für die neue Geburtstagsstatistik. Die steht in diesem Jahr natürlich unter dem Einfluss von Corona und ist daher sicher nicht repräsentativ. Aber irgendwas ist ja immer.

Das Törtchen ist in diesem Jahr mal nach Größe sortiert:

Auch die Balkendiagramme habe ich jetzt so umsortiert, dass die Daten ganz links stehen, die in der Summe über alle Jahre den größten Beitrag hatten:

Beobachtungen in diesem Jahr:

  • Facebook ist nicht auf Platz 1. Grund dürfte die Coronakrise sein, in der es so ziemlich alle persönlichen Gratulationen auf diverse Messenger (WhatsApp / Threema / Signal /…) verschoben hat und diese damit nach vorne gerutscht sind. Aber auch in absoluten Zahlen hat Facebook verloren.
  • Twitter verliert für die persönliche Kommunikation weiter an Bedeutung. Ich bedauere das.
  • Die SMS ist jetzt aber wirklich mal tot. Im Gegensatz zum Fax, das weiterhin aus Prinzip existiert.
  • Kleines Revival der Email. Warum auch immer.
  • Die Ecard wurde durch WhatsApp abgelöst. Ich bedauere das nicht.
  • Neu dabei:
    • Zoom. Der Geburtstag fiel auf einen Sonntag, an dem ich bei einem Livestream-Gottesdienst mitgewirkt habe, dessen Regie in einem Zoom-Raum stattfand. Sonst wäre das nicht passiert. Zoom verschwindet vermutlich recht schnell wieder aus der Statistik.
    • Xing: Hat wohl irgend etwas an seinem Empfehlungsalgorithmus geschraubt und Leute auf den Geburtstag hingewiesen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Denn mein Xing-Profil pflege ich genau gar nicht.
    • Instagram: Neu dabei, vermutlich auch nur als Reaktion auf eine Aktion, die ich weiter unten noch beschreibe.
    • Telegramm, mit zwei „m“. Ein TELEGRAMM! So ein richtiges. Das erste in meinem Leben. Herzlichen Dank den Sendern, das war auf jeden Fall ein Highlight!
  • Der Steppenläuferstrauch hat es nicht geschafft, sich in der Statistik zu halten. Schade eigentlich. Gleiches gilt für den DNS-Record.

Irgendwie hatte ich in der Corona-Zeit die Idee, ein paar Freunde virtuell zusammenzubringen. Auf Videokonferenzkaffeetrinken oder so hatte ich keine Lust und kam daher mit diesem Tweet um die Ecke:

Wider Erwarten wurde das kein Rohrkrepierer, sondern ein paar Leute hatten Freude, und ich am Ende auch! Hier mein virtueller (uns aus Gründen hier verpixelter) Geburtstagschor:

Danke nochmal an alle, die mitgemacht haben!

Das war’s. Mal sehen, ob es wenigstens einen weiteren Blogbeitrag bis zur nächsten Geburtstagsstatistik geben wird 😉

Wie geil ist MRT?

Einfach mal ein Youtube-Video auf’s Blog stellen, das macht man eigentlich ja nicht. Aber wenn der legendäre Fynn Kliemann seiner Begeisterung über MRT Ausdruck verleiht, dann kann das jemand wie ich, der schon seit über 15 Jahren an und mit MRT bastelt, nicht unerwähnt lassen.

Bei einer Doktorprüfung müsste man ihm zwar bei fast jedem Satz widersprechen, aber für eine Laien-Erklärung ist das schon richtig gut:

Ach ja, und dann der Doc so:

Dann muss der Kliemann halt selbst ran an die Interpretation. Das macht es nicht besser:

 

Wie man 2019 gratuliert

Wir werden alle nicht jünger, und manches läuft nicht mehr so rund wie früher. Bloggen zum Beispiel. Aber auch wenn hier sonst nicht viel los ist, die jährliche Geburtstagsstatistik ist Pflicht.

Zunächst einmal wieder die nackten Zahlen:

Mein Geburtstag fiel in diesem Jahr auf einen Freitag, d.h. ich war arbeiten und konnte abends feiern. Das erklärt die relativ hohe Zahl an persönlichen Gratulationen.

Weitere Beobachtungen:

  • SMS ist tot, ebenso das Fax, welches bei mir in diesem Jahr gestorben ist. Vielleicht kommt es ja wieder. (Das Fax wurde zunächst fälschlicherweise als tot gemeldet, war nur ein Konfigurationsproblem…)
  • Twitter ist auch tot, jedenfalls für Geburtstagsgratulationen.
  • Facebook ist weiterhin extrem beliebt für Gratulationen. Aber so etwas ist ja auch Sinn und Zweck eines sozialen Netzwerks.
  • Die Email stirbt für diesen Zweck aus, wird im Wesenlichen ersetzt durch:
  • Whatsapp / Threema: Weiterhin stark, etabliert sich als beliebtes Tool zum Gratulieren.
  • Neu in der Statistik: Communi. Immerhin 3 Leute haben mir in diesem Jahr über dieses Tool gratuliert. Nicht zufällig sind das die 3 (mir persönlich bekannten) Gründer der Communi-App. Die App dient der Vernetzung von Gruppen / Communities, ist im Umfeld der CityChurch Würzburg entstanden und wird da auch genutzt. Auf jeden Fall einen Blick wert! (So, den Werbeblock habt ihr euch mit euren Glückwünschen verdient 😉

Auch in diesem Jahr gab es besonders kreative Beglückwünschungen. Im vorletzten Jahr waren das die signierten Senf-Portionsbeutel, letztes Jahr dann der Steppenläuferstrauch. Auch dieses Jahr haben sich Leute ins Zeug gelegt, um hier auf dem Blog aufzutauchen. Letztes Jahr hatte ich ja beschlossen, immer die kreativste Gratulationsart in die grafische Statistik mit aufzunehmen, dieses Jahr finde ich das doch keine gute Idee mehr, sorry. Aber hier werden sie auf jeden Fall erwähnt:

So, mal sehen, was sich auf dem Blog hier tut bis zum nächsten Jahr. Ihr könnt in der Zwischenzeit schon mal darüber nachdenken, wie ihr es nächstes Jahr hier in den Artikel schafft.

WM-Tippspiel: Menschenen vs. Algorithmen

Zur diesjährigen Fußball-WM habe ich mich mal wieder breit schlagen lassen, an einem Tippspiel teilzunehmen. 41 Leute sind dabei, also schon eine ordentliche Runde. Tippspiele habe ich früher ab und zu mitgemacht und es dann aber wieder sein lassen, weil ich sie zunehmend für ziemlichen Blödsinn halte. Warum? Das versuche ich zum einen in diesem Artikel etwas auszuführen, und zum anderen mit einem kleinen Experiment während dieser Weltmeisterschaft zu demonstrieren. Das Experiment läuft parallel zur WM, und die ersten Ergebnisse untermauern meine Blödsinn-These. Auf geht’s.

1. Der Durchschnitts-Tipp

Alle MitspielerInnen eines Tippspiels haben im Wesentlichen die gleichen Informationen und sind dazu in ihrer Meinung geprägt von dem gleichen Pool an Meinungsmachern. Expertenmeinungen sind vor Spielen ja oft ziemlich ähnlich. Entsprechend wird auch die Mehrzahl der Leute tippen: Dem Trend folgend, plus minus statisch verteilte Bauchgefühl-Abweichungen. Tippt man nun wie der plausible Durschschnitt, dann landet man zwangsläufig im Durchschnitt, also in der Mitte der Tabelle.

Erfahrungsgemäß setzen sich trotzdem einzelne Leute von eben diesem Durschschnitt ab, und zwar sowohl nach hinten als auch nach vorne. Das kann zwei Gründe haben: Entweder jemand hat so unglaublich viel Ahnung und kann mehrfach Ergebnisse wie das 1:1 von Argentinien gegen Island und auch noch das von Brasilien gegen die Schweiz voraussehen (der „Experten-Abweichler“), oder jemand hat einfach überhaupt keine Ahnung und weicht deshalb von der durchschnittlichen Meinung ab (der „Deppen-Abweichler“). In jedem Fall braucht man ein exotisches Tippverhalten, um nicht im breiten Mittelfeld der Tipprunde zu landen.

Jetzt ist es allerdings keinesfalls so, dass die Experten-Abweichler immer vorne und die Deppen-Abweichler immer hinten in der Tipptabelle landen würden. Beide Gruppen landen mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit entweder deppenhaft relativ weit hinten, oder (was deutlich unwahrscheinlicher ist) expertenhaft ganz vorne. Es wird da schon einen statistischen Unterschied geben, meine Behauptung ist aber, dass der nicht besonders groß ist.

Diskussionen zwischen Mitspielenden während eines Turniers liefern dagegen ein anderes Bild: Liegt jemand ganz hinten wird er ob seiner aberwitzigen Tipps ausgelacht. Liegt er dagegen ganz vorne zollt man ihm für seine unfassbar fachkundigen Tipps Respekt, Nicht immer, aber doch recht oft wird mit Glück mit Kompetenz und Pech mit Unvermögen verwechselt.

2. Wunschdenken vs. Wahrscheinlichkeit

Ein zweiter Grund dafür, dass ein Tippspiel eigentlich Blödsinn ist liegt in der schlichten Frage, wie man eigentlich tippen soll. Es gibt da verschiedene Konzepte: Soll man so tippen, wie man das Spiel realistisch einschätzt, oder so, wie man sich ein Ergebnis gerne wünscht? Oder einfach nach den Wettquoten? Oder tippt man absichtlich vom Mainstream abweichende Ergebnisse, um sich vielleicht mit einem Glücksgriff vom Durchschnitt absetzen zu können? Oft geht das auch durcheinander. Nehmen wir das Spiel Deutschland vs. Mexiko: Bei allen anderen Spielen mit Favoriten gab es immer Mitspieler, die gegen den Trend getippt haben, sei es nun aus Überzeugung oder schlicht in der Hoffnung, mit einer abweichenden Meinung zufällig alleine Punkte machen zu können. Bei diesem Spiel gab es keinen einzigen Abweichler. Ausnahmslos alle haben auf einen Sieg Deutschlands getippt. Bei dem Spiel Brasilien vs. Schweiz dagegen gab es immerhin drei SpielerInnen, die das Unentschieden „vorhergesehen“ haben und sogar zwei SpielerInnen, die auf einen Sieg der Eidgenossen tippten. Ganz ehrlich, dafür gibt es keine fussballerischen Gründe. Das ist ein Bias, der immer auf den Tipps liegt und der deutlich macht, wie wenig es letztendlich um fussballerische Kompetenz geht.

3. Live: Kognitive Dissonanz

Das ganze setzt sich fort, wenn man ein Fußballspiel live verfolgt: Spielt eine Mannschft, ein Underdog, unerwartet gut mutig, presst hoch, spiel mit offenem Visier gegen einen Favoriten, so ist man geneigt, dieser Mannschaft im Lauf des Spiels auch Erfolg zu wünschen. Schaut man dann aber auf seinen eigenen, eigentlich plausiblen, Tipp, so ist die „kognitive Dissonanz“ schon vorprogrammiert.

Das Experiment

Aus den oben beschriebenen Gründen mag ich also keine Tippspiele und habe vor einigen Jahren beschlossen, nicht mehr mitzuspielen, Und falls doch dann nur mit einem Experiment, und zwar genau mit diesem: Ich spiele mit mehreren Accounts. Einer davon bin einfach ich, die anderen funktionieren nach recht einfachen Mustern und sind sozusagen Bot-Accounts, schlichte Algorithmus-Accounts. Das Experiment besteht nun darin zu schauen, wo diese Bot-Accounts am Ende in der Tabelle landen. Dazu ist ein Tippspiel mit 41 TeilnehmerInnen ein ganz brauchbares Experimentierfeld. Aufgrund von Zeitnot habe ich das Experiment diesmal nur mit drei verschiedenen Accounts laufen lassen:

1. Einfach ich

Der erste Account ist mein echter, mit dem spiele ich wirklich. Mit all den oben beschriebenen menschlichen Einschränkungen. Ich bin jetzt nicht der Super-Fußballprofi, aber ganz blank bin ich auch nicht. Immerhin habe ich mich im Vorfeld dieser WM tatsächlich kurz mit allen Teams auseinander gesetzt, ein paar Sachen gelesen und gehört und versucht, das in plausible Tipps einzuarbeiten. Mit diesem persönlichen Account stehe ich aktuell auf Platz 35 von 41. Erfolg sieht anders aus. Und ich glaube (ganz selbstbewusst) einfach nicht, dass wirklich 34 MitspielerInnen mehr Plan haben als ich. Wobei, ausgeschlossen ist das auch nicht. Aber: An dieser Stelle kommen die anderen beiden Accounts ins Spiel.

3. Der 2:1-Bot

Dieser Tipp-Bot ist ein schlichtes Gemüt. Er hat irgendwann einmal gehört, dass das wahrscheinlichste Ergbnis im Fußball ein 2:1 ist. Und so tippt er einfach immer ein 2:1 für die Mannschaft, die bei den Buchmachern vorne liegt. Fertig. Mit diesem Account stehe ich auf Platz 5 von 41 in unserer Tipp-Tabelle. Wow, sooo viel fussballerische Kompetenz!

3. Der Quoten-Bot

Der Quoten-Bot ist etwas schlauer als der schlichte 2:1-Bot. Er orientiert sich nicht einfach an den Wettquoten und tippt 2:1, sondern er versucht, aus den Wettquoten Ergebnisse zu „berechnen“. Wenn dich die einzelnen Schritte nicht interessieren kannst du sie gerne überspringen, ich erkläre sie hier trotzdem kurz. Dabei werden einige Dinge aber nicht im Detail verraten, den Grund nenne ich am Ende des Artikels.

  1. Nimm die Wettquoten und erreche daraus Wahrscheinlichkeiten für Sieg, Unentschieden oder Niederlage. (Das alleine ist schon ein fragwürdiges Unterfangen, aber erst der Anfang einer haarsträubenden Rechnerei).
  2. Ziehe eine Zufallszahl zwischen 0 und 100. Diese entscheidet anhand der in Schritt 1 berechneten Wahrscheinlichkeiten, ob das Spiel als gewonnen, unentschieden oder verloren getippt wird.
  3. Nachdem die Tendenz festliegt muss noch das genaue Ergebnis „errechnet“ werden. Ich habe das so gelöst, dass ich unabhängig voneinander eine Tordifferenz und einen „Tor-Offset“ berechnet habe. Bei einem 3:1 wäre die Tordifferenz +2, der Tor-Offset gleich 1.
    • Den Tor-Offset berechne ich rein statistisch, also unabhängig von von den Wettquoten oder sonstigen Daten. So viel sei verraten: Die Verteilung der Tor-Offsets ist keine Gleichverteilung.
    • Die Tor-Differenz ist etwas komplizierter: Bei einem Tipp, der zufällig der Tendenz in den Wettquoten entspricht gehen in die Berechnung der Tordifferenz die Wettquoten für Sieg und Niederlage mit ein. Wird zufällig gegen den Trend der Wettquoten getippt setze ich die Tordifferenz immer auf 1. Bei einem Unentschieden ist sie (Überraschung!) immer gleich 0.
  4. Über die Berechnung der Halbfinalteilnehmer etc. schweige ich mich hier aus, das bleibt Betriebsgeheimnis.

Mit dieser überaus fragwürdigen Rechnerei erzeugt dieser Quoten-Account Spielergebnisse, mit denen er aktuell immerhin auf Platz 10 von 41 liegt und damit deutlich über meinem „Einfach ich“-Account und auch sonst deutlich im oberen Teil der Tabelle.

Man könnte dieses Tipp-Verhalten natürlich beliebig kompliziert ausbauen. Meine Tipps sind beispielsweise alle statistisch unabhängig, sie basieren allein auf Wett-Quoten (eine lausige Datenbasis), sie werden im Laufe des Turniers nicht angepasst, lassen mathematische Überlegungen von richtigen Fachleuten außer Acht (wie beispielsweise diverse Formeln, die sich auf die Poisson-Verteilung stützen) und so weiter. Und damit kommen wir zum letzten Punkt:

Die Herausforderung

Der bisherige Verlauf der WM und unseres Tippspiels steigert ehrlich gesagt nicht meine Lust und Vorfreude auf weitere Tippspiele. Nur auf ein ganz spezielles Tippspiel hätte ich mal Lust: Ein Tippspiel der Bots, der mathematischen Modelle, der Algorithmen. Jeder Mitspieler denkt sich einen Algorithmus aus, füttert ihn mit einer vorher zu schaffenden gemeinsamen Datenbasis und gibt die Ergebnisse in das Tippspiel ein. Und dann schauen wir mal. Gerne können auch menschliche Mitspieler mitmachen, aber bitte nur richtig kompetente.

Das wird ein Spaß!

Update 1: Zwischenstand

Zwischenstand

Die ganze Sache hat sich etwas eingespielt, die Vorrunde ist ca. zur Hälfte vorbei. Und siehe da, der Quoten-Bot liegt nach dem Schweiz-Spiel auf Platz 7, der 2:1-Bot sogar auf Platz 2! Und hätte der Isländer vorhin den Elfer nicht über das Tor gezimmert, dann, ja dann wäre es aktuell sogar ganz vorne 😀

Update 2: Zwischenstand

Zwischenstand: Platz 1!

Seit einigen Tagen auf Platz 1!

Update 3: Der Endstand

Endstand: Platz 1!

So, die WM ist seit fast einer Woche vorbei, und damit auch unser Tippspiel. Ich hätte wirklich niemals gedadacht, dass das so enden würde:

  • Mein 2:1-Bot hat es tatsächlich auf Platz 1 geschafft. Unfassbar. Das mag auch an der spielerisch etwas langweiligen WM gelegen haben, trotzdem sind 153 Punkte und damit 20 Punkte Vorsprung auf Platz 2 ein Wort.
  • Der Quoten-Bot ist immerhin auf Platz 15 von 41 gelandet. Damit gewinnt er keinen Blumentopf, hat sich aber auch nicht blamiert.
  • Blamiert hätte ich mich fast mit meinem „normalen“ Account, jedenfalls sah es relativ lange danach aus. Gestartet bin ich auf einem der letzten Plätze, hab mich dort relativ lange aufgehalten und mich auf einmal kontinuierlich nach vorne gearbeitet. OK, ich gebe zu, ab und zu 2:1 zu tippen hat dabei nicht geschadet… Am Ende wurde es Platz 4, so gut war ich noch nie. Oder sagen wir nach den Erfahrungen dieses Tippspiels: So viel Glück hatte ich noch nie.

Was lernen wir daraus? Tippspiele bei Turnieren versprechen mehr, als sie halten. Letztendlich ziehen uns menschliche Faktoren und irrationales Tippverhalten eher nach unten, dazu kommt einfach eine gehörige Portion Zufall und Glück. Ich habe hier nochmal einen interessanten Artikel gefunden, der verschiedene Tippstrategieen gut strukturiert zusammenfasst: „Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Ihren Tippspiel-Sieg„. Hätte ich das mal vorher gelesen, dann wäre mein Quoten-Bot vielleicht noch etwas weiter nach oben gekommen. Aber das können wir ja wie bereits vorgeschlagen dann in 2 oder 4 Jahren machen mit einem Tippspiel der Algorithmen. Bis dahin!

Der Glubb is a Depp!

Als Clubfan würde ich mich ja nicht bezeichnen, eher so als Sympathisant. Als Franke irgendwie in dieses elende Schicksal hineingerutscht und nie mehr richtig herausgefunden. In den letzten beiden Jahren hatte ich es fast geschafft, mich emotional von der Achterbahnfahrt „des Ruhmreichen“ zu lösen, und dann kommt dieser mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga um die Ecke. Ich weiß ja nicht. Selten gab es eine 2. Liga, aus der so explizit niemand aufsteigen wollte. Den Eindruck hatte man jedenfalls, wenn man die „Spitzenmannschaften“ in den letzten Monaten beobachtet hat. Sinnbildlich dieser Konter des „Glubbs“ am Ende der Nachspielzeit des entscheidenden Spiels um den Aufstieg: Eine klarere Chance gibt es nicht, zu dritt alleine vor dem Torwart, genug Zeit, alles easy. Trotzdem war uns vor dem Fernseher sofort klar, dass „der Depp“ diesen Konter nicht erfolgreich zu Ende spielen wird. Das Gelächter war dann fast größer als die Freude über den Aufstieg. Ich konnte es nicht lassen, daraus ein GIF zu machen. Irgendwie wird man sich in der nächsten Saison damit trösten müssen, es schon geahnt zu haben:


Quelle: https://gph.is/2FT3Cg0

Mindestens genau so faszinierend wie die Tatsache, dass beide Club-Spieler, die angespielt werden können, deutlich im Abseits stehen ist die Tatsache, dass Sandhausen das Ding auch noch verteidigt hat. Schaut euch mal an, wo dieser Sandhausen-Spieler herkam. Gleich verpflichten!

Der Vollständigkeit halber hier noch der ganze Spielbericht des entscheidenden Spiels gegen Sandhausen. Wie sagt der Kommentator am Ende des Konters so schön? „Und der vergibt ihn!“ Ich sage: „Und wir vergeben ihm!“ Die Szene war immerhin nicht spielentscheidend.