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Wer bin ich?

Wenn ich die Augen schließe sehe ich den schweren Raumteiler aus dunklem Holz vor mir, direkt daneben das große Ecksofa. Im Raumteiler – vom Sofa aus gut erreichbar- der Plattenspieler, darunter eine Schublade voll hochkant einsortierter Schallplatten. Bis auf die Schallplatten gibt es das alles nur noch in meiner Erinnerung. In einer dieser Schallplatten ist mir als kleiner Junge zum ersten Mal Dietrich Bonhoeffer begegnet.

Das erste Lied auf der Platte ist wohl die erfolgreichste Bonhoeffer-Vertonung: “Von guten Mächten wunderbar geborgen”. Dann als zweites eine Vertonung des Gedichts “Wer bin ich?”, geschrieben im Juni 1944 im Wehrmachtsgefängnis in Berlin Tegel.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

(aus: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung)

Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg gehängt, also kein Jahr nach diesem Gedicht.


Warum schreibe ich das hier? Weil ich zusammen mit meiner Schwester über diesen Text gestolpert bin und wir beide sofort diese Vertonung von Siegfried Fietz im Ohr hatten:

Die Vertonung ist speziell, vielleicht hat sie sich auch deshalb so tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Noch mehr liegt das aber sicherlich am Inhalt des Gedichts: An einem bildgewaltig gezeichneten, tief zerrissenen Inneren, das letztlich allein im göttlichen Gehaltensein zur Ruhe findet.

3D-Zebrastreifen

Einfach mal wieder eine kleine Video-Empfehlung, diesmal aus der isländischen Kleinstadt Ísafjörður. Erklärt sich eigentlich von selbst:

Ich finde das genial. Ob es wirklich etwas bringt sei mal dahin gestellt, der Effekt nutzt sich vielleicht schnell ab, außerdem funktioniert es ja nur in eine Fahrtrichtung. Aber die Idee alleine ist so nett, dass ich es hier auch haben will. Bitte.

Mehr zu dem Projekt findest du z.B. hier.

 

Ich wähle NTP

Heute in einer Woche ist Bundestagswahl, so langsam sollte sich jeder überlegt haben, wen er wählen will. Denn gewählt wird, das ist klar. Bürgerrecht und Bürgerpflicht!

Meine Entscheidung stand eigentlich fest, doch dann bin ich vor einigen Tagen über diese mir bis dato völlig unbekannten Kleinstparteien gestolpert:

(Quelle: unbekannt)

Das hat mich meine Entscheidung doch noch einmal überdenken lassen. Von vorneherein ausgeschlossen habe ich FTP, Telnet und XML. Vor FTP und Telnet kann ich nur warnen, die beiden haben in der Sicherheitspolitik komplett versagt. Auch von XML würde ich die Finger lassen, das kommt in meinen Augen im Vergleich zur JSON-Konkurenz doch etwas altbacken daher.

Zur endgültigen Entscheidungfindung habe ich also erneut den Wahl-O-Mat® angeworfen, die Fragen wohlüberlegt gewichtet und jetzt steht fest: Ich wähle NTP. Denn

Die Zeit ist reif!

Und, meine, Erststimme, die, bekommt, der, nette, Herr, von, der, CSV, .

Nicht einfach nur ein Filmchen

Einen Blogpost, nur um ein Filmchen zu empfehlen? Zugegeben, das ist ganz schön dünn. Dafür ist das Filmchen dick. DICK! Daher muss es hier festgehalten werden. Hätte ich nur ein einziges Frame daraus als Foto gemacht wäre ich darauf schon stolz. Ein Muss für jeden, der entweder schon mal selbst mit Timelapse gespielt und/oder an Videos gefrickelt hat. Oder auch für jeden, der einfach nur New York mag.

Kopfhörer auf und Film ab:

CSS-Puns

Wenn du weißt, was CSS ist, dann hast du vermutlich schon einmal etwas mit der Gestaltung von Webseiten zu tun gehabt. Denn CSS ist der Teil einer Webseite, der die reinen Informationen für den Betrachter (hoffentlich hübsch) aufbereitet. CSS definiert Abstände, Farben, Übergänge, Textstile, Rahmen usw.

Aber auch Spaß kann man mit CSS haben, seit einiger Zeit geistern sog. CSS-Puns durchs Netz. Kurze Codeschnipsel im CSS-Stil, die vielleicht in CSS gar keinen richtigen Sinn machen würden, aber etwas gut auf den Punkt bringen. Einfaches Beispiel:

#titanic {
    float: none;
}

Oder etwas aus meinem Urlaub:

#tower-of-pisa {
    font-style: italic;
}

Und ein Beispiel aus aktuellem Anlass:

#europe .country {
    border: none;
}

Die in meinen Augen schönste Sammlung von CSS-Puns ist diese hier von Saijo George. Durchklicken!

Eine Kreuzung aus Papier

Eine ganz gewöhnliche Kreuzung in Shibuya, einem Stadtbezirk von Tokio.  Nicht ganz gewöhnlich, es ist wohl die am stärksten frequentierte Kreuzung Japans. Wenn ich das richtig gelesen habe überqueren abends bis zu 15.000 Menschen die Ampel. Pro Ampelphase.

Und dann macht sich jemand die Mühe und baut diese Kreuzung mit “nur” 1.000 Papierfiguren nach. Mopeds, Busse, Autos, und viele unterschiedliche Menschen. Bescheuert, und bescheuert schön:

Spaß mit Edward Snowden

Spaß mit Edward Snowden? Eigentlich gibt bei dem Thema nichts zu lachen. Hier zwei Videos, bei denen man trotzdem zumindest schmunzeln muss. Also ich musste jedenfalls.

Eine Gruppe von Künstlern und Aktivisten haben ein Denkmal in New York mit einer Büste von Snowden verziert. Verdient hat er es. Er hätte sogar eine Büste verdient, die ihm ähnlich sieht, aber gut, besser als nichts:

Und dann noch ein kurzes Interview mit Snowden, bei dem es um Passwortsicherheit geht:

Oszillierende Pilze

Dieses Video hat ein gewisser Jerobeam Fenderson mit einem handelsüblichen Oszilloskop generiert. Für ihn nichts besonderes, er zeigt seine Oszilliscope Music sogar in Live-Shows. Für mich aber schon.

Eigentlich wollte ich mal versuchen, die Tonspur des Videos auf ein normales Oszi zu legen und zu schauen, ob ich das nachkochen kann. Allerdings erklärt er auf seinem Blog, warum das vermutlich nicht (befriedigend) funktionieren wird. Also lasse ich es. Es fasziniert mich auch so schon genug. Auch wenn es meinem Physiklehrer Hr. Fuhrmeister vor vielen Jahren nicht wirklich gelungen ist, mich für die dahinter stehenden Lissajouos-Figuren zu begeistern, von denen er dagegen fast kindlich begeistert war.