Vor etwa zwölf Jahren habe ich mir meinen ersten Bass gekauft, und vor rund zehn Jahren begann ich, mit Arduinos zu experimentieren. Aus diesen beiden Hobbys ist damals dieses kleine Projekt entstanden:
Pedal zum Bass-Üben, Version 1Pedal zum Bass-Üben, Version 2
Es ist nicht zu übersehen, dass das Ergebnis meiner Bastelei erstens ziemlich hässlich und zweitens nicht besonders robust war. Immerhin ist es dafür gedacht, mit dem Fuß darauf herumtreten.
Was war die Idee hinter diesem Gerät? Es ist eine Art Pedal, das man per USB an den Computer anschließt und das es einem ermöglicht, beim Üben eines Instruments mit den Füßen den Übungstrack zu steuern – sei es YouTube, Spotify oder was auch immer. Im von mir am häufigsten genutzten YouTube-Modus kann man das Video pausieren, weiterlaufen lassen, vor- und zurückspulen oder auch die Geschwindigkeit variieren. Ich habe das Teil sehr viel genutzt und nutze es immer noch, wenn auch nicht mehr so häufig.
Allerdings wurde es in der Zwischenzeit umgebaut. Vor allem der mechanische Aufbau mit dem Plexiglas war nicht sonderlich langlebig. Als sich ein Freund eine CNC-Fräse für den Keller gebaut hat war die Gelegenheit gekommen, einen massiveren Aufbau auszuprobieren. Eine kleine Kostprobe des Fräsprozesses, der leider etwas nach Zahnarzt klingt:
Ein paar Bilder des fertigen überarbeiteten Aufbaus (wobei ich jetzt denke, der elektrische Aufbau hätte auch eine Optimierung vertragen):
Mehr Details zu Software und dem elektronischen Aufbau findest du im ursprünglichen Artikel. Auch interessant: In der Zwischenzeit (seit 2021) gibt es etwas ähnliches auch als Produkt, den Vidami Blue. Ich würde trotzdem zum Eigenbau ermutigen 😉
Wenn ich die Augen schließe sehe ich den schweren Raumteiler aus dunklem Holz vor mir, direkt daneben das große Ecksofa. Im Raumteiler – vom Sofa aus gut erreichbar- der Plattenspieler, darunter eine Schublade voll hochkant einsortierter Schallplatten. Bis auf die Schallplatten gibt es das alles nur noch in meiner Erinnerung. In einer dieser Schallplatten ist mir als kleiner Junge zum ersten Mal Dietrich Bonhoeffer begegnet.
Das erste Lied auf der Platte ist wohl die erfolgreichste Bonhoeffer-Vertonung: “Von guten Mächten wunderbar geborgen”. Dann als zweites eine Vertonung des Gedichts “Wer bin ich?”, geschrieben im Juni 1944 im Wehrmachtsgefängnis in Berlin Tegel.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloß. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
(aus: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung)
Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg gehängt, also kein Jahr nach diesem Gedicht.
Warum schreibe ich das hier? Weil ich zusammen mit meiner Schwester über diesen Text gestolpert bin und wir beide sofort diese Vertonung von Siegfried Fietz im Ohr hatten:
Die Vertonung ist speziell, vielleicht hat sie sich auch deshalb so tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Noch mehr liegt das aber sicherlich am Inhalt des Gedichts: An einem bildgewaltig gezeichneten, tief zerrissenen Inneren, das letztlich allein im göttlichen Gehaltensein zur Ruhe findet.
Als wir im Sommer 2023 nach dem Konzert von Jacob Collier das Tollwood-Festivalgelände in München verlassen haben mussten viele Eindrücke verarbeitet werden. Dabei kam auch eine kleine Beobachtung zur Sprache: Hat Jacob Collier mit einer 5-saitigen Gitarre gespielt? Eine kurze Websuche bestätigte das, Die Gitarre schien aber ein Einzelstück zu sein. Ein Wunsch war geboren.
Mittlerweile hat der Kapitalismus gesiegt und es gibt mehrere dieser 5-saitigen Modelle zu kaufen; aber eine Taylor-Gitarre kauft man sich nicht einfach mal so im Vorbeigehen, nur um so etwas wie ein anderes Tuning auszuprobieren. Aber ausprobiert haben wir eine dieser Gitarren dann unlängst bei unserem jährlichen Thomann-Besuch. Wir hatten einen Eindruck von Geometrie und Spielbarkeit bekommen und der Wunsch wurde stärker, selbst eine Gitarre von sechs auf fünf Saiten umzubauen.
Was ist der Unterschied zwischen einer normalen 6-saitigen Gitarre und einer 5-saitigen Jacob Collier-Gitarre? Die Anzahl der Saiten, klar. Fünf Finger, fünf Saiten, so die einfache Collier-Logik. Außerdem ein offenes Tuning, das dazu symmetrisches (oder wie Jacob Collier sagt: “palindromic”) ist: D – A – E – A – D
Zwei Videos, in denen er die Idee erklärt. Eine kurze Einführung und ein Deep Dive:
Zum Umbau einer Gitarre braucht es aber zunächst eine passende Gitarre, und zwar eine, die so gut wie nichts mehr wert ist, denn unsere Erfahrungen im Instrumentenbau halten sich doch sehr in Grenzen. Letztes Wochenende ist mir eine ca. 25 Jahre alte Yamaha APX-5A über den Weg gelaufen, sicher 10 Jahre nicht gespielt, im feuchten Keller gelagert, mit kleinen Rissen in der Decke und durchgespielten Bünden. Also ein ideales Umbau-Testobjekt.
Der Umbau
Da der Saitenabstand der 5-saitigen Taylor-Gitarren recht hoch war haben wir beschlossen, die äußeren Saiten beim Umbau an Ort und Stelle zu lassen und die restlichen 3 Saiten dazwischen auszumitteln. Der Plan war:
Umbau des Sattels: Neue Schlitze für die 3 neuen Saitenpositionen.
Die größte Baustelle: Der Umbau des Stegs. Verschließen der 4 nicht gebrauchten Löcher für die Stegstifte und Bohren neuer Löcher.
Ein Kinderspiel: Entfernen des nicht gebrauchten Wirbels.
Gitarrenpflege.
1. Umbau des Sattels
Es wäre sicher eleganter gewesen, den Sattel durch einen komplett neuen Sattel zu ersetzen. Das hätte aber Recherche, Beschaffung und einiges mehr an Anpassungsarbeiten etc. bedeutet. Wir haben beschlossen, den Sattel an der Gitarre zu belassen und haben mit Dremel, einer kleine Eisensäge und einem scharfen Cuttermesser neue Führungen für die neuen Saiten in den Sattel gearbeitet. Den Saitenabstand haben wir äquidistant gehalten. Bei der Tiefe und Breite der Schlitze haben wir uns an den vorhandenen Schlitzen orientiert: Die Saitenlage sollte grob passen und auch das Stimmen sollte möglich sein, ohne dass die Saiten klemmen.
Wichtig vielleicht noch: Die 6-saitige Gitarre wurde um die G-Saite reduziert.
Sattel im Ausgangszustand.Positionen der neuen Schlitze markiert.Bearbeiten des Sattels mit einem Dremel.Fertig bearbeiteter Sattel mit markierten Schlitzen.
2. Umbau des Stegs
Der Umbau des Stegs war der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Der Plan war: Wir bohren die 6mm-großen Löcher der Stegstifte auf 8mm auf. Die Löcher sind oben angefast (heißt das so?), und diese konischen Fasen müssen mit verschwinden, damit der Steg oben wirklich flach ist, um die neuen Löcher sauber bohren zu können. Dann schneiden wir 8er Holzdübel auf die richtige Länge zurecht und leimen sie in die Löcher. Die Dübel werden dann oben bündig geschliffen, 3 neue Löcher markiert, mit einem kleinen Bohrer vorgebohrt und sukzessive auf wieder 6mm aufgebohrt. Am Ende fasen wir die Löcher wieder mit einem Kegelsenker an und fertig.
Das hat fast geklappt. Der größte Fehler war, dass wir die Löcher direkt auf 8mm aufgebohrt haben. Besser wäre ein vorsichtiges, stufenweises Aufbohren gewesen; denn beim Bohren sind Teile des Stegs zwischen den Löchern ausgerissen. Wir haben versucht, das beim Einleimen der Holzdübel mit Spänen und Holzleim zu verfüllen. Pfusch, der wie so oft überraschend gut geklappt hat.
Der Steg im Ausgangszustand.Aufbohren der Löcher.Der Steg mit den eingeleimten Holzdübeln.Abschleifen der Holzdübel.Aufbohren der neuen Löcher.Anfasen der Löcher mit dem Kegelsenker.Die fertigen gebohrten Löcher.Finaler Zustand.
3. Entfernen eines Wirbels
Im Vergleich mit einer normalen 6-saitigen Gitarre wurde ja beim Umbau die G-Saite entfernt, daher haben wir auch den Wirbel der G-Saite entfernt:
4. Finalisieren
Vor dem Besaiten wurde die Gitarre noch gründlich gereinigt und der Hals wie üblich mit Dunlop 65 Lemon Oil gepflegt, ebenso der grob angeschliffene Steg. Außerdem haben wir den Hals noch neu eingestellt, die Saitenlage hat überhaupt nicht gepasst. Das Überprüfen der Bundreinheit haben wir uns allerdings erspart, wir wollten uns die gute Laune nicht verderben.
Der Umbau war eine ziemliche Hauruck-Aktion ohne große Vorplanung, und dafür ist er überraschend problemlos durchgelaufen. Am Ende hatten wir ein dickes Grinsen im Gesicht und eine “neue” Gitarre in der Hand:
“Tante Schinni” ist gestorben. Sie war weder meine Tante, noch hieß sie Schinni, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Jedenfalls meldete sich zu diesem Anlass die sangesfreudige Verwandtschaft mit der Frage, ob es möglich sei, den Choral “Hier hast du meine beiden Hände” etwas tiefer zu setzen, das C-Dur sei doch etwas hoch für den Onkelchor:
Wenn solche Fragen kommen ist es wichtig, keine Zweifel über die eigene Kompetenz aufkommen zu lassen. Auch dann nicht, wenn man in diesem Moment noch keine Ahnung hat, wie man das Problem genau lösen will. Über das Ob braucht man allerdings Gewissheit. Zur Not setze ich das mit der Hand tiefer, mit Notenpapier und Bleistift, das sei kein Problem. Das letzte Mal, als ich so etwas gemacht habe, hatte ich noch gekauftes Notenpapier, aber Notenpapier sollte man ja mittlerweile auch einfach zum Ausdrucken in diesem Internet finden.
Vielleicht könnte man in diesem Internet aber auch Programme zum Setzen von Noten finden, dachte ich mir, und ich konnte es nicht lassen. Nur ganz kurz mal googlen, ganz kurz. Ich erinnerte mich, vor 20-25 Jahren mal ein Programm gehabt zu haben, mit dem das Setzen von Noten mehr schlecht als recht ging. Erster sinnvoller Suchtreffer: MuseScore. Einfach mal heruntergeladen, installiert, MIDI-Keyboardchen dran (auf Verdacht, wäre ja nice) und gestartet.
“O du fröhliche” ist neben “Stille Nacht”der Klassiker als letztes Lied in den Gottesdiensten an Heilig Abend. Zusammen Singen ist aus den bekannten Gründen ja immer noch nicht, daher habe ich mal wieder eine Art “virtuellen Chor” organisiert. Diesmal allerdings recht anspruchslos, also eher gemeinsames Singen als Chor: Eine Vorlage mit Klavier und einer Stimme, zu der jeder einfach dazu singen und sich dabei filmen konnte. Die Idee: Wenn schon nicht gemeinsam gesungen werden kann, dann kann doch wenigstens jeder, der will, beim “O du fröhliche” am Ende des Gottesdienstes dabei sein, egal, ob er oder sie singen kann oder nicht. Wie es sonst eben auch so wäre. Wenn genug Leute mitmachen, dann kommt es nicht mehr so sehr darauf an, wie gut und sauber die oder der Einzelne singt. Wer nicht singen wollte durfte auch ein Instrument nutzen oder sonst irgendwie kreativ werden. Das Ergebnis:
DANKE nochmal an alle Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker!
Falls du dich für das Technische interessierst: Es waren am Ende 58 Videos, die zu einem einzigen zusammengeschnitten werden wollten, und zwar nicht wie z.B. bei einem Urlaubsvideo hintereinander, sondern gleichzeitig. Aufgrund der Erfahrungen mit den anderen Sing-Videos dachte ich ja, dass das Schneiden und Rendern kein so großes Ding werden würde. Allerdings hat das meinen eigentlich sehr potenten Rechner doch an seine Grenzen gebracht. Ich hatte wirklich genug Zeit für’s Rendern eingeplant, damit das Video an Heiligabend gezeigt werden konnte. Dachte ich. Ich rechnete damit, das locker über Nacht rendern zu können, immerhin ging es um ein Video mit nicht mal drei Minuten. Am Ende waren es fast 21 Stunden Rendern unter Volllast auf allen 12 Kernen. Bei einem Abbruch oder einem Fehler hätte es für einen zweiten Versuch nicht gereicht, ich war daher einigermaßen erleichtert, als das Video final und einigermaßen brauchbar da lag. Vermutlich würde es helfen, die Einzelvideos im Vorfeld auf die Zielgröße zu rendern und dann erst ins finale Video einzubauen. Nächstes Mal dann, man lernt nicht aus…
Menschen mit kleineren Kindern kennen sicherlich die Toniebox: Eine kleine Kiste, auf die kleine Kinder kleine Figuren stellen, worauf die Kiste dann Musik oder Hörspiele abspielt. Für Menschen mit Spaß am Basteln gibt es dazu ein alternatives Selbstbauprojekt, die sog. Phoniebox. Mein Freund Markus hat ein kleines Kind und Spaß am Basteln. Ich habe auch Spaß am basteln, also haben wir gebastelt. Das ist dabei herausgekommen:
Phoniebox kann sowohl lokal auf der Kiste gespeicherte Audiodateien abspielen, als auch Spotify (einzelne Songs, Playlisten, Alben, was auch immer). Hat die Box kein WLAN, dann spielt sie eben nur die lokalen Sachen ab, denn Spotify kann nur gestreamt werden.
Was jetzt noch kommt ist mehr eine Gedankensammlung und Dokumentation dessen, was wir gemacht haben als eine Anleitung, wie man den Koffer exakt nachbaut. Der eine oder andere brauchbare Hinweis ist aber vielleicht trotzdem dabei, und das meiste ist auf den ebenfalls verlinken Projektseiten ja bestens beschrieben.
Eine der schlimmsten Dinge, die man während der Corona-Zeit machen kann, ist bekanntlich gemeinsames Singen. Es ist jetzt nicht so, dass gemeinsames Singen etwas ist, was ich ständig tue, aber immerhin mache ich hin und wieder mit einer kleinen, aber feinen Band Musik, zu der dann im Rahmen von Gottesdiensten gesungen wird. Auch das findet im Moment nicht statt, und bei einer Bandbesprechung (Videokonferenz, wie sonst) kam mal wieder die “How Great Thou Art”-Version von Home Free auf den Tisch. Es entstand die Idee, diesen Song als virtuellen Chor zu versuchen. Also Leuten, die Freude am Singen, aber dafür im Moment keine Gelegenheit haben, genau eine solche zu geben.
Also haben wir uns die Noten besorgt, daraus für jede der 5 Stimmen eine Audiospur zum Mitsingen erzeugt und einfach Leute eingeladen, eine Spur (oder auch mehrere) einzureichen. Das Stück hat sich als nicht ganz trivial herausgestellt, im Verlauf des Projekts ist ein nicht unerheblicher Teil der SängerInnen wieder abgesprungen… Es ist auch ein riesiger Unterschied, eine Stimme in einem echten Chor oder sie alleine in eine Kamera zu singen, das hatte ich etwas unterschätzt. Im Chor hat man seine Stellen, an denen man sicher ist, bei anderen kann man sich an andere SängerInnen dran hängen. Einsätze, Aussprache, Längen, alles wird im Lauf der Zeit im Chor synchronisiert. All das fällt hier weg. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, und mit dem Ergebnis bin ich doch auch ziemlich zufrieden(*):
Gezeigt wurde das Stück dann am letzten Sonntag im Rahmen des Gottesdienst-Livestreams, in dem ich auch sonst musikalisch beteiligt war, wenn auch nur am Rande.
Nochmal ein dickes DANKE an alle Sängerinnen und Sänger!
(*) Es war auch das erste Mal, dass ich so etwas in Ableton zu mischen versucht habe. Einiges gelernt, auch vom Junior, der da doch etwas weiter ist als ich…
Der letzte Geburtstag ist jetzt fast 4 Wochen her, der letzte Blogpost ca. 50 Wochen. Höchste Zeit für die neueGeburtstagsstatistik. Die steht in diesem Jahr natürlich unter dem Einfluss von Corona und ist daher sicher nicht repräsentativ. Aber irgendwas ist ja immer.
Das Törtchen ist in diesem Jahr mal nach Größe sortiert:
Auch die Balkendiagramme habe ich jetzt so umsortiert, dass die Daten ganz links stehen, die in der Summe über alle Jahre den größten Beitrag hatten:
Beobachtungen in diesem Jahr:
Facebook ist nicht auf Platz 1. Grund dürfte die Coronakrise sein, in der es so ziemlich alle persönlichen Gratulationen auf diverse Messenger (WhatsApp / Threema / Signal /…) verschoben hat und diese damit nach vorne gerutscht sind. Aber auch in absoluten Zahlen hat Facebook verloren.
Twitter verliert für die persönliche Kommunikation weiter an Bedeutung. Ich bedauere das.
Die SMS ist jetzt aber wirklich mal tot. Im Gegensatz zum Fax, das weiterhin aus Prinzip existiert.
Kleines Revival der Email. Warum auch immer.
Die Ecard wurde durch WhatsApp abgelöst. Ich bedauere das nicht.
Neu dabei:
Zoom. Der Geburtstag fiel auf einen Sonntag, an dem ich bei einem Livestream-Gottesdienst mitgewirkt habe, dessen Regie in einem Zoom-Raum stattfand. Sonst wäre das nicht passiert. Zoom verschwindet vermutlich recht schnell wieder aus der Statistik.
Xing: Hat wohl irgend etwas an seinem Empfehlungsalgorithmus geschraubt und Leute auf den Geburtstag hingewiesen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Denn mein Xing-Profil pflege ich genau gar nicht.
Instagram: Neu dabei, vermutlich auch nur als Reaktion auf eine Aktion, die ich weiter unten noch beschreibe.
Telegramm, mit zwei “m”. EinTELEGRAMM! So ein richtiges. Das erste in meinem Leben. Herzlichen Dank den Sendern, das war auf jeden Fall ein Highlight!
Der Steppenläuferstrauch hat es nicht geschafft, sich in der Statistik zu halten. Schade eigentlich. Gleiches gilt für den DNS-Record.
Irgendwie hatte ich in der Corona-Zeit die Idee, ein paar Freunde virtuell zusammenzubringen. Auf Videokonferenzkaffeetrinken oder so hatte ich keine Lust und kam daher mit diesem Tweet um die Ecke:
Wider Erwarten wurde das kein Rohrkrepierer, sondern ein paar Leute hatten Freude, und ich am Ende auch! Hier mein virtueller (uns aus Gründen hier verpixelter) Geburtstagschor:
Danke nochmal an alle, die mitgemacht haben!
Das war’s. Mal sehen, ob es wenigstens einen weiteren Blogbeitrag bis zur nächsten Geburtstagsstatistik geben wird 😉
Eines vorneweg: Auch wenn ich gern an allem möglichen herumbastle, bei Elektronik hört bei mir der Spaß schnell auf. Ich tausche schon mal defekte Kondensatoren in Netzteilen oder mache aus zwei defekten Kaffeemaschinen eine funktionierende, aber da müssen die defekten Stellen schon durch Rauch oder Feuer auf sich aufmerksam machen. Das große Verständnis von Elektronik fehlt mir. Etwas neidisch beobachtete ich bisher die Bastlerszene, die mit diversen günstigen Bauelementen allen möglichen Kram zusammenzaubert. Und immer wieder hörte ich, dass das alles mittlerweile gar nicht mehr schwer sei. Jeder könne das. Dabei viel immer wieder das Stichwort Arduino.
Im Sommer dachte ich, es wird auch für mich Zeit, mich da mal ein bisschen einzuarbeiten. Also habe ich einen bunten Strauß an Arduinoboards, Sensoren und Aktoren bestellt und zu basteln angefangen: Einfach mal ganz simpel einen Schalter an ein Arduinoboard und damit ein Schrittmotor steuern. Oder mit einem Näherungssensor ein Servo. Oder einfach nur eine LED blinken lassen (ein Unterfangen, an dem ich mit einer analogen Schaltung schnell scheitern würde). Mein Fazit ist: Wer googlen kann, der kann auch Arduino.
Bei diesen Spielereien habe ich irgendwann gelesen, dass diverse Arduinoboards, die ja einfach über die USB-Schnittstelle programmiert werden können, am Rechner auch gleichzeitig als Human Interface Device agieren können, sich also wie eine Maus oder eine Tastatur verhalten. Es ist also relativ leicht, sie als externes Eingabegerät für den Rechner zu verwenden. Dazu sind auch keine speziellen Treiber am Rechner nötig. Board an den USB-Anschluss und fertig.
Die Idee
Damit war die Idee geboren: Beim Bass-Üben stört es mich immer wieder, das Instrument aus der Hand legen zu müssen, um in Spotify nochmal zum Songanfang zu springen, in Youtube-Tutorials vor- oder zurückzuspulen, eine Webseite mit Chords weiterzuscrollen oder einfach nur die Lautstärke des PCs anzupassen. Ich übe in der Regel mit Kopfhörer an einem kleinen Mischpult, an dem auch der Rechner hängt, der mich mit Musik und Tutorials versorgt. Was es braucht ist eine Möglichkeit, diverse Funktionen des Rechners mit den Füßen zu steuern. Sollte mit einem kleinen Arduino machbar sein.
Wann ist ein Instrument ein Instrument? Auf den ersten Blick ist das einfach, Instrumente sind z.B. Flöte, Trompete, Klavier, Gitarre, Bass usw. Alles, womit man eben Musik machen kann. So einfach ist es aber nicht. Das Theremin z.B., ein berührungslos gespieltes Instrument, welches nur über die Beeinflussung eines elektromagnetischen Feldes funktioniert, werden die wenigsten als Instrument durchgehen lassen:
Was die ortsansässige Musikschule nicht im Angebot hat ist auch kein richtiges Instrument, mag sich so mancher denken. Aber selten sind wir uns im Klaren darüber, dass Musikinstrumente schon immer einem Wandel unterlagen. An dieser Stelle sei an das gute alte Klavier erinnert, das Instrument schlechthin. Das uns bekannte Klavier (“Hammerklavier“) wurde aber z.B. zu Bachs Zeit gerade erst entwickelt, Standard war da eher das Cembalo, mit dem eine ordentliche Dynamik (laut, leise, …) nicht möglich war. Diese neuen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass sich das Klavier einfach durchgesetzt hat uns das Cembalo nur noch selten eine Rolle spielt (sorry SEA+AIR, aber ich höre eure Platte trotzdem noch sehr gerne!).
Vielleicht sind wir da schon bei einem guten Kriterium dafür, was ein “richtiges” Instrument ausmacht: Es muss sich irgendwann durchgesetzt haben. Was sich irgendwann aber einmal durchgesetzt haben wird können wir im Voraus schlecht wissen. Es gibt also immerzu Weiterentwicklungen von Instrumenten, mal nur evolutionär, mal mutiger in richtigen Sprüngen. Vieles davon verschwindet wieder in der Versenkung und wird bestenfalls noch von Exoten gespielt (wie z.B. das oben gezeigt Theremin). Trotzdem kann es einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung anderer Instrumente leisten. Aus vielen parallelen Entwicklungen entsteht dann unter Umständen ein neues Instrument, welches in gewisser Weise standardisiert ist und es irgendwann sogar in das Angebotsrepertoire der einen oder anderen Musikschule schafft.
Lange Vorrede dafür, dass ich hier eigentlich nur eine solche aktuelle Instrumentenentwicklung vorstellen wollte. Und zwar geht es um eine Gitarre, die laut eigener Aussage die erste smarte Gitarre der Welt ist. In erster Linie ist es eine Gitarre, die man einfach als Gitarre spielen kann. Aber sie ist mit diversen Erweiterungen versehen: Tolle Effekte, Möglichkeiten zum Loopen, zusätzliche Bedienmöglichkeiten über Touchinterfaces (erinnern fast ein bisschen an das Theremin!) und so weiter. Schau sie dir an, die “Sensus Smart Guitar” von Mind Music Labs:
Bisher leider nur ein Prototyp und damit noch etwas entfernt vom sich durchsetzen…