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DIY: Klavier stimmen

Ich mache ja gerne Dinge selbst. Dazu braucht man zum einen etwas Neugier, zum anderen darf man auch keine Angst davor haben, Dinge kaputt zu machen. Trotzdem sollte man wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Manchmal lohnt es sich aber, die bisherigen Grenzen etwas auszuweiten und Neues zu probieren.

Deshalb habe ich in diesem Jahr das Geld, welches ich üblicherweise jährlich für den Klavierstimmer bezahle, in diesem Jahr in ein bisschen Ausrüstung und Werkzeug investiert und beschlossen, mein Klavier selbst zu stimmen. Werkzeug und Ausrüstung allein reicht da allerdings nicht, ein bisschen Ahnung sollte man schon auch mitbringen, und da fängt das eigentliche Problem an. Das Stimmen eines Klaviers ist alles andere als trivial, was an ganz verschiedenen Dingen liegt, auf die ich im Detail hier gar nicht eingehen will. Kurz kann man sagen, dass es keinen simplen Tuner für Klaviere geben kann, denn die Stimmung hängt von sehr vielen instrumentspezifischen Parametern und Eigenschaften ab. Es gibt – anders als bei anderen Instrumenten – noch nicht mal eine mathematisch eindeutig richtig Stimmung eines Klaviers. Und da hat sich Prof. Haye Hinrichsen,  ein Physiker hier in Würzburg, vor einiger Zeit ein paar Gedanken gemacht, was dann hinter einer guten Stimmung stecken könnte. Sein Ansatz: Wenn ein Instrument gut gestimmt klingt könnte das daran liegen, dass die Entropie dann kleiner ist als bei einem verstimmten Instrument. Das Prinzip funktioniert offensichtlich besser als alles, was es bis dato an softwaregestützen Stimmverfahren gab. Und wie wir Spielkinder Physiker so sind hat Haye Hinrichsen die Idee in eine Software gepackt und diese für alle gängigen Plattformen kostenlos zur Verfügung gestellt: Voilà, der Entropie-Piano-Tuner. Vielen Dank!

Das Stimmen mit der Software geschieht in drei Schritten:

  1. Instrument analysieren. Dazu muss man jeden Ton des Klaviers mit der Software aufnehmen. Ein ordentliches Mikrofon ist nicht ganz unwichtig.
  2. Stimmung berechnen. Hat man jeden Ton des Klaviers gesampelt, dann kann die Software daraus easy die ideale Stimmung berechnen. Also easy für den Benutzer, nicht für das Programm. Das ganze ist ein recht komplexes, aber machbares Minimierungsverfahren.
  3. Klavier stimmen. Jetzt braucht man einen Stimmhammer, ein paar Keile zum dämpfen einzelner Saiten und etwas Zeit und Übung. Man sich jede einzelne Saite vor, spielt sie an und schaut, wie gut die Stimmung passt. Muss man einen Ton verändern ist das bei den tiefen Tönen noch recht einfach, weil tiefe Töne nur eine einzige Saiten haben. Die mittleren Töne haben zwei Saiten und die hohen drei, da ist das mit dem Abdämpfen der anderen Saiten und dem harmonischen Stimmen schon schwieriger. Aber machbar.

In einem Video erklärt Hinrichsen auch nochmal das Prinzip (und schaut dabei sehr lustig in die Kamera 😉 :

Nach insgesamt 2-3 Stunden Gesamtaufwand sah meine Stimmkurve am Ende so aus:

Man sieht zwar noch Abweichungen, aber die sind wirklich minimal und kaum stimmbar. Mit dem Ergebnis bin ich ziemlich zufrieden. Wobei ich auch sagen muss, dass mein Klavier noch gut in Stimmung war und nur einzelne Saiten korrigiert werden mussten. Das spricht durchaus für den Algorithmus der Entropie-Minimierung.

Fazit: Wer gerne Sachen selbst macht, keine Angst davor hat, Dinge auszuprobieren, ein bisschen einen Sinn für Musik und die Physik dahinter mitbringt, wer bereit ist, ein paar Euro für die Ausrüstung und etwas Zeit zu investieren, der hat mit dem Entropie-Piano-Tuner eine Software an der Hand, die das Klavier vielleicht nicht mit so viel Charakter versieht, wie es ein Profi-Stimmer könnte, es aber immerhin in einen ordentlich klingenden Zustand bringen und es in diesem halten kann. Mehr braucht man als Hobbypianist eigentlich nicht.

Murmeltier!

Jedes Wochenende sollte mit einem guten Videoclip eingeläutet werden. Ich hatte einen in der Pipeline und wollte ihn jetzt bloggen, aber dann kam mir doch tatsächlich Heidi Moggadodde zuvor. Egal, denn sie schrieb:

Ich. Muss. Es. Immer. Wieder. Anschauen.

(Moggadodde)

Es geht um Musik, unglaublich faszinierend hergestellte Musik. Mit einer tierischen Murmelmaschine. Manchmal sind Sachen zwar faszinierend gemacht, das eigentliche Ergebnis ist dann trotzdem so lala. Geht mir immer wieder bei virtuosen Musikclips so. Handwerklich unglaublich gut, aber wenn man die Augen zu macht klingt es nach nicht mehr viel. Hier ist das anders. Ich hatte das Video schon in Dauerschleife laufen, weil es eben einfach auch gut klingt. Und weil man es immer wieder anschauen und anhören muss schadet es auch nicht, wenn ich es hier auch noch mal verlinke. Film ab!

Fast vergessen: Der Typ in dem Film ist der schwedische Musiker Martin Molin. Wer mehr über die Maschine erfahren will sollte sich auf Martins Molins Youtube-Kanal umsehen, da gibt es viele Videos zum Bau und zur Funktionsweise des Murmeltiers.

Schönes Wochenende!

Musik³

Musik, Musik, Musihiiiik!

1) Das verwirrendste und aufwendigste zuerst. Wenn man sich auf dem Kanal eines gewissen Rob Scallon umsieht findet man so einige Schmankerl. Seine neuste Produktion ging jetzt durch die Decke. Kein Wunder: Im Rahmen seiner “May-tellica”-Action (in jeder Mai-Woche ein neues Metallica-Cover) hat der Gute “Enter Sandmann” einfach mal rückwärts eingespielt und eingesungen. Krank. Zunächst die Rückwärts-Version, in der das Lied dann so klingen soll wie vorwärts:

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Oszillierende Pilze

Dieses Video hat ein gewisser Jerobeam Fenderson mit einem handelsüblichen Oszilloskop generiert. Für ihn nichts besonderes, er zeigt seine Oszilliscope Music sogar in Live-Shows. Für mich aber schon.

Eigentlich wollte ich mal versuchen, die Tonspur des Videos auf ein normales Oszi zu legen und zu schauen, ob ich das nachkochen kann. Allerdings erklärt er auf seinem Blog, warum das vermutlich nicht (befriedigend) funktionieren wird. Also lasse ich es. Es fasziniert mich auch so schon genug. Auch wenn es meinem Physiklehrer Hr. Fuhrmeister vor vielen Jahren nicht wirklich gelungen ist, mich für die dahinter stehenden Lissajouos-Figuren zu begeistern, von denen er dagegen fast kindlich begeistert war.

Tanzen

Gestern wollte ich an meiner Soundkarte etwas ausprobieren und habe dazu ein völlig beliebiges MP3 von meiner Festplatte abgespielt. Die zufällige Wahl fiel auf “Tanzen” von Herbert Grönemeyer. Nicht dass ich ein eingefleischter Grönemeyer-Fan wäre, aber manche Sachen von ihm haben es tatsächlich geschafft, sich dauerhaft auf meiner Platte einzunisten. Dieses “Tanzen” stammt von 1986. Eine komplett andere Zeit. Und trotzdem entwickelte es gestern beim Hören eine Aktualität, die fast etwas Gespenstisches hatte. Am Abend spielte Grönemeyer dann auch noch bei dem Konzert für Toleranz an der Frauenkirche in Dresden…

Hier ein Ausschnitt aus dem Text, der leider all zu gut zu der Stimmung der letzten Wochen passt. Dabei ist Grönemeyers Kritik an manchen christlich-religiösen Gruppen sogar noch zu kurz gegriffen, wie z.B. die Ereignisse um Heidi Mund zeigen.

Asylanten weisen wir vor unsere Schranken
So verfolgt kann keiner sein
Deutschland wird allzusehr als Paradies missverstanden
Wir lassen einfach keinen mehr rein

Wir sind Christen, falten unsere Hände
Schließen dabei die Augen zu
Wir preisen Gott und die geistige Wende
Wir spielen blinde Kuh
Wir wollen unsere Herren loben
Alles Gute kommt von oben

(Hier der komplette Songtext)

Hätte nicht gedacht, dass ich hier mal einen Grönemeyer-Song zum (genauen Zu-) Hören empfehle, aber was soll’s. Hier die meiner Meinung nach schönste Version des Songs:

Wenn wir schon dabei sind: Dass der Song wirklich aus einer ganz anderen Zeit stammt zeigt eindrucksvoll diese Live-Version:

Musik²

Zur Abwechslung mal wieder zwei Musikvideos, die es mir angetan haben. Dauerschleifengefahr!

1) kutiman bringt 23 von anderen Leuten auf Youtube eingestellte Musik-Filmchen zusammen und mischt daraus einen faszinierenden Song:

2) Kawehi mischt auch. Ihre Komponenten: Eine Loopstation (BOSS RC-300, will ich auch haben!), ein bisschen Zubehör, ein Michael Jackson-Klassiker und ihre Stimme. Großes Tennis, das so irritierend einfach aussieht:

Akustischer Synthesizer

Un-glaub-lich. Wenn man sich diese Videos ansieht ist einem anfangs gar nicht klar, was da so besonders sein soll: Jemand spielt auf einer Akustik-Gitarre, und die Töne, die man dann hört, sind massiv modifiziert. Klar, Kabel rein, Effekte drauf und ab damit auf den Lautsprecher. So läuft das normal. Hier nicht. Hier wird noch mit echter Physik gearbeitet:

Kein Kabel, kein Lautsprecher, nix. Mit kleinen Magnetfeldern werden die Schwingungen der Saiten so modifiziert, dass die Gitarre akustisch diese Sounds ausgibt.

Hier noch ein Filmchen von ein paar Gitarristen, die das Teil erstmals in die Hand bekamen und teils etwas ungläubig reagierten:

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Die Wahl zwischen Kasperl und Seppl

Anlässlich der heuten Landtagswahl hier in Bayern und der anstehenden Bundestagswahl in einer Woche will ich hier mal für einen Künstler werben, der es wert ist, beworben zu werden: TEX. (Webseite, Blog, Twitter, Facebook, Wikipedia, Musiker-Steckbrief bei TV Noir).

TEX ist als Initiator und Moderator der unvergleichlichen Musikshow TV Noir auf meinem Radar erschienen. Dass er auch selbst Musik macht wusste ich, konnte mit seinen Songs lange aber nicht besonders viel anfangen. Das hat sich schlagartig geändert, als ich ihn bei einem Konzert im Cairo erlebte. Gepackt haben mich vor allem seine TEX-te (haha).

Genug der Vorrede, eigentlich wollte ich doch nur einen TEX-Song zur Wahl vorstellen. Titel: “Sie haben die Wahl” (Lyrics). Der Song hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Spiel aber bei TEX keine Rolle, denn alle seine Songs sind eher neuere Songs, er schreibt (laut eigenen Aussagen) extrem langsam. Jetzt aber:

Es gibt auch eine musikalisch abgespeckte Live-Version aus der TV Noir-Show

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SEA+AIR

Irgendwann im letzten Jahr bin ich auf das Musiker-Duo SEΛ+ΛIR (hier bei Facebook) aufmerksam geworden, und seit ihrem Auftritt bei TV Noir im April 2012 (ganze Sendung, Ausschnitte) bin ich sowas wie ein Fan. SEΛ+ΛIR sind Eleni (sie) und Daniel (er) Benjamin, ein perfekt abgestimmtes deutsch-griechisches Musiker-Ehepaar, experimentierfreudig, kraftvoll, virtuos, tiefgründig, humorvoll. Manchmal auch scary. Ich habe die beiden jetzt schon zweimal in Würzburg gehört und gesehen, es gibt wohl im Moment keine Band, die ich so uneingeschränkt empfehlen kann wie SEΛ+ΛIR. Deshalb tue ich das auch hiermit.

Offenbar geht das auch anderen Leuten so: Am letzten Wochenende hatten sie einen (zu kurzen) Auftritt bei Inas Nacht (ab Minute 51:15), und dann hängt auch noch ihr Plakat bei dem von mir  sehr geschätzten Dittsche (gleich am Anfang mal links unten). Sehr schön.

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