Archiv des Monats: März 2026

Gitarrenumbau à la Jacob Collier

Als wir im Sommer 2023 nach dem Konzert von Jacob Collier das Tollwood-Festivalgelände in München verlassen haben mussten viele Eindrücke verarbeitet werden. Dabei kam auch eine kleine Beobachtung zur Sprache: Hat Jacob Collier mit einer 5-saitigen Gitarre gespielt? Eine kurze Websuche bestätigte das, Die Gitarre schien aber ein Einzelstück zu sein. Ein Wunsch war geboren.

Mittlerweile hat der Kapitalismus gesiegt und es gibt mehrere dieser 5-saitigen Modelle zu kaufen; aber eine Taylor-Gitarre kauft man sich nicht einfach mal so im Vorbeigehen, nur um so etwas wie ein anderes Tuning auszuprobieren. Aber ausprobiert haben wir eine dieser Gitarren dann unlängst bei unserem jährlichen Thomann-Besuch. Wir hatten einen Eindruck von Geometrie und Spielbarkeit bekommen und der Wunsch wurde stärker, selbst eine Gitarre von sechs auf fünf Saiten umzubauen.

Was ist der Unterschied zwischen einer normalen 6-saitigen Gitarre und einer 5-saitigen Jacob Collier-Gitarre? Die Anzahl der Saiten, klar. Fünf Finger, fünf Saiten, so die einfache Collier-Logik. Außerdem ein offenes Tuning, das dazu symmetrisches (oder wie Jacob Collier sagt: “palindromic”) ist: D – A – E – A – D

Zwei Videos, in denen er die Idee erklärt. Eine kurze Einführung und ein Deep Dive:

Zum Umbau einer Gitarre braucht es aber zunächst eine passende Gitarre, und zwar eine, die so gut wie nichts mehr wert ist, denn unsere Erfahrungen im Instrumentenbau halten sich doch sehr in Grenzen. Letztes Wochenende ist mir eine ca. 25 Jahre alte Yamaha APX-5A über den Weg gelaufen, sicher 10 Jahre nicht gespielt, im feuchten Keller gelagert, mit kleinen Rissen in der Decke und durchgespielten Bünden. Also ein ideales Umbau-Testobjekt.

Der Umbau

Da der Saitenabstand der 5-saitigen Taylor-Gitarren recht hoch war haben wir beschlossen, die äußeren Saiten beim Umbau an Ort und Stelle zu lassen und die restlichen 3 Saiten dazwischen auszumitteln. Der Plan war:

  1. Umbau des Sattels: Neue Schlitze für die 3 neuen Saitenpositionen.
  2. Die größte Baustelle: Der Umbau des Stegs. Verschließen der 4 nicht gebrauchten Löcher für die Stegstifte und Bohren neuer Löcher.
  3. Ein Kinderspiel: Entfernen des nicht gebrauchten Wirbels.
  4. Gitarrenpflege.

1. Umbau des Sattels

Es wäre sicher eleganter gewesen, den Sattel durch einen komplett neuen Sattel zu ersetzen. Das hätte aber Recherche, Beschaffung und einiges mehr an Anpassungsarbeiten etc. bedeutet. Wir haben beschlossen, den Sattel an der Gitarre zu belassen und haben mit Dremel, einer kleine Eisensäge und einem scharfen Cuttermesser neue Führungen für die neuen Saiten in den Sattel gearbeitet. Den Saitenabstand haben wir äquidistant gehalten. Bei der Tiefe und Breite der Schlitze haben wir uns an den vorhandenen Schlitzen orientiert: Die Saitenlage sollte grob passen und auch das Stimmen sollte möglich sein, ohne dass die Saiten klemmen.

Wichtig vielleicht noch: Die 6-saitige Gitarre wurde um die G-Saite reduziert.

2. Umbau des Stegs

Der Umbau des Stegs war der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Der Plan war: Wir bohren die 6mm-großen Löcher der Stegstifte auf 8mm auf. Die Löcher sind oben angefast (heißt das so?), und diese konischen Fasen müssen mit verschwinden, damit der Steg oben wirklich flach ist, um die neuen Löcher sauber bohren zu können. Dann schneiden wir 8er Holzdübel auf die richtige Länge zurecht und leimen sie in die Löcher. Die Dübel werden dann oben bündig geschliffen, 3 neue Löcher markiert, mit einem kleinen Bohrer vorgebohrt und sukzessive auf wieder 6mm aufgebohrt. Am Ende fasen wir die Löcher wieder mit einem Kegelsenker an und fertig.

Das hat fast geklappt. Der größte Fehler war, dass wir die Löcher direkt auf 8mm aufgebohrt haben. Besser wäre ein vorsichtiges, stufenweises Aufbohren gewesen; denn beim Bohren sind Teile des Stegs zwischen den Löchern ausgerissen. Wir haben versucht, das beim Einleimen der Holzdübel mit Spänen und Holzleim zu verfüllen. Pfusch, der wie so oft überraschend gut geklappt hat.

3. Entfernen eines Wirbels

Im Vergleich mit einer normalen 6-saitigen Gitarre wurde ja beim Umbau die G-Saite entfernt, daher haben wir auch den Wirbel der G-Saite entfernt:

4. Finalisieren

Vor dem Besaiten wurde die Gitarre noch gründlich gereinigt und der Hals wie üblich mit Dunlop 65 Lemon Oil gepflegt, ebenso der grob angeschliffene Steg. Außerdem haben wir den Hals noch neu eingestellt, die Saitenlage hat überhaupt nicht gepasst. Das Überprüfen der Bundreinheit haben wir uns allerdings erspart, wir wollten uns die gute Laune nicht verderben.


Der Umbau war eine ziemliche Hauruck-Aktion ohne große Vorplanung, und dafür ist er überraschend problemlos durchgelaufen. Am Ende hatten wir ein dickes Grinsen im Gesicht und eine “neue” Gitarre in der Hand:

Maus als Lautstärke-Fader

Meine Standard-Maus ist die schon etwas in die Jahre gekommene “Logitech MX Anywhere 2S” (hier ihr Nachfolger), wegen ihrer Größe, ihres Gewichts und des “Darkfield Lasers”, der einfach auf jeder Oberfläche präzise funktioniert.

Es geht mir aber gar nicht speziell um diese Maus, sondern eher darum, wie man mit einer Maus sehr elegant (jedenfalls meiner Meinung nach 😉 ) seine Lautstärke steuern kann. Typischerweise macht man das ja mit Keyboard-Tasten oder mit dem Drücken auf irgendwelche vordefinierten Maustasten. Also z.B. könnte man die beiden seitlichen Tasten auf der Maus (siehe Bild oben) für “lauter” und “leiser” nutzen. So etwas lässt sich in der Regel ja bei einer Maus einstellen.

Logitech-Geräte nutzen dafür die Software “Logi Options+“. Und damit lassen sich auf Tasten sog. Gesten legen:

Auf die beiden Seitentasten lege ich mir die Geste “Multimediasteuerung”. Damit kann man eine dieser Tasten drücken und dann die Maus nach oben oder unten bewegen, um die Lautstärke zu regeln. Wie mit einem Fader am Mischpult! Das geht zum einen sehr fein, aber eben auch sehr schnell, wenn es sein muss. Dazu ist es ziemlich intuitiv und man fühlt sich dabei auch sehr professionell 😉

AutoHotKey-Hacks

AutoHotkey (AHK), kennste, kennste? Das ist ein – jedenfalls unter Windows – sehr mächtiges Open Source-Tool, wenn es um das Nutzen von eigenen Tastenkombinationen, das Automatisieren von Vorgängen oder Mausaktionen geht. Eine eierlegende Wollmilchsau.

Allerdings finde ich die Nutzung schon immer etwas holprig. AutoHotkey ist skriptbasiert, das muss man mögen und können. Wobei die Sache mit dem Können in Zeiten mächtiger LLMs schon an Schrecken verloren hat. Wenn man eine Idee hat, die man damit umsetzen will, dann bekommt man das mittlerweile auch gelöst. Zudem ist seit Version 2 alles etwas glatter und konsistenter geworden.

Wenn man eine Idee hat… Daher will ich hier mal kurz zeigen, was ich mit AutoHotkey so mache, vielleicht inspiriert es ja den einen oder die andere. Was ich hier nicht zeige ist den Einstieg in die Nutzung von AutoHotkey, denn Youtube ist voll von solchen Tutorials, da wirst du fündig. Und wild ist das nicht.

Bsp. 1: Der Klassiker: Öffnen eines Programms

Ich verwende als Passwortmanager Keepass XC, und den brauche ich ständig. Ich will also eine sehr einfache Möglichkeit haben, Keepass XC zu öffnen und den Fokus direkt auf das Suchfeld zu legen. Für die Verwendung von Passwörtern im Browser ist das nicht nötig, da ist Keepass XC bestens integriert, aber für alle andere Dinge schon.

Was ich also will: Mit “Strg + Alt + K” (K wie Keepass) soll Keepass XC ggf. gestartet, auf jeden Fall geöffnet und der Fokus auf das Suchfeld gesetzt werden. Gelöst habe ich das so:

; Welches Fenster soll gesucht werden? (Prozessnamen statt Fenstertitel, sonst Probleme, wenn z.B. "KeePassXC" in einem VS Code Tab steht).
targetTitle := "ahk_exe KeePassXC.exe"

; --- Haupt-Hotkey: Strg + Alt + K ---
^!k:: {
    ; Fall 1: Das Fenster ist bereits im Vordergrund -> Minimieren
    if WinActive(targetTitle) {
        WinMinimize
    }
    else {
        ; Fall 2: Das Programm läuft noch gar nicht -> Starten
        if !WinExist(targetTitle) {
            try {
                Run("C:\Program Files\KeePassXC\KeePassXC.exe")
                ; Warte max. 10 Sek., bis das Fenster vom System registriert wird
                if !WinWait(targetTitle, , 10) {
                    MsgBox("KeePassXC startete zu langsam.", "Zeitüberschreitung", "IconHand")
                    return
                }
            } catch {
                MsgBox("Die Datei 'KeePassXC.exe' wurde unter dem Pfad nicht gefunden.", "Fehler", "IconHand")
                return
            }
        }

        ; Fall 3: Programm läuft im Hintergrund -> Aktivieren und Fokus setzen
        WinActivate(targetTitle)

        ; Warte kurz, bis das Fenster wirklich den Fokus hat, bevor wir Tippen
        if WinWaitActive(targetTitle, , 2) {
            Send("^f") ; Sendet Strg+F für die Suche
        }
    }
}

Das ist zwar etwas umfangreicher als nötig, hat dafür aber schon diverses Error-Handling mit drin. Mit diesem Code bin ich seit Jahren mehr als glücklich und verwende den mehrfach täglich.

Bsp. 2: Tastaturlayout (bei Laptops) anpassen

Seit einigen Jahren arbeite mit einem Laptop, bei dem mir das Standard-Tastaturlayout nicht gefällt. Und zwar hat er physische “Page Up”- und “Page Down”-Tasten, die von mir dagegen häufig verwendeten Tasten “Home” / “Pos1” und “End” sind nur über den Umweg der Function-Taste erreichbar. Das nervt, ist aber ein ganz klassisches Anwendungsszenario für AutoHotkey.

Mit diesem Code macht man aus der Eingabe von “Page Up” ein “Pos1” usw.:

; Tasten direkt vertauschen:
PgUp::Home      ; Drücke ich PgUp, wird stattdessen Home gesendet
PgDn::End       ; Drücke ich PgDn, wird stattdessen End gesendet
Home::PgUp      ; Drücke ich Home, wird stattdessen PgUp gesendet
End::PgDn       ; Drücke ich End,  wird stattdessen PgDn gesendet

; Dasselbe für die Kombination mit Shift:
+PgUp::+Home    ; Shift+PgUp verhält sich wie Shift+Home
+PgDn::+End     ; Shift+PgDn verhält sich wie Shift+End
+Home::+PgUp    ; Shift+Home verhält sich wie Shift+PgUp
+End::+PgDn     ; Shift+End  verhält sich wie Shift+PgDn

; In AutoHotkey bedeutet:
;   + = Shift, ^ = Strg, ! = Alt, # = Win

Das löst das Problem mit dem “falschen” Tastenlayout problemlos.

Wiederbelebungsversuch

Dieses Blog hier bestand in den letzten Jahren im Wesentlich aus Geburtstagstatistiken; die letzten drei Posts waren allesamt aus dieser Kategorie. Ich stelle das einfach mal so fest.

Ideen für Inhalte hab ich durchaus, der Drang zur Veröffentlichung hielt sich aber einfach in Grenzen. Das hat mehrere Gründe: Faulheit mag einer sein, ein anderer, dass viele Projekte, die ich früher™ hier veröffentlicht hätte, auch schon nur aus Wissensfragmenten aus dem Internet zusammengeschustert wurden. Es gibt also kaum Mehrwert, wenn ich die Sachen hier auch noch verblogge. Mit dem massiven Einzug von KI in den (Bastler-) Alltag wurde dies noch verstärkt. Einziger Nutzen: Ich würde Projekte zu Ende bringen und auch ordentlicher dokumentieren, wobei ich auch das für mich recht konsequent in Form von Markdown-Notizen mache.

Aber irgend etwas will jetzt raus. Seit einiger Zeit habe ich wieder das Bedürfnis, Dinge auf offenen Plattformen zu posten. Gedanken, Ideen, Meinungen müssen raus, ganz unabhängig davon, wie viel Reichweite das erzeugt. Das spiegelt sich in einer neu intensivierten Mastodon-Aktivität wieder, aber auch darin, dass ich in den letzten Tagen die Inhalte dieses Blogs mit ein bisschen Liebe versehen habe. Ich bin alle Artikel durchgegangen und habe Inhalte vom alten klassischen WordPress-Editor auf den Gutenberg-Blockeditor umgestellt; seit 5 oder 6 Jahren ist der ja auch schon Standard.

Überarbeitungen waren vor allem auch deshalb nötig, weil alle Code-Snippets, die in Artikeln eingebunden sind, zerschossen waren: Zum einen waren Sonderzeichen HTML-codiert, zum anderen hatte ich ein Plugin für die Code-Darstellung verwendet, welches ich los werden wollte / musste. Mein Ziel war es jetzt, ein Plugin zu finden, das so arbeitet, dass der Code im Falle des Wegfalls des Plugins auf den Default-Code-Style von WordPress zurückfällt. Die Wahl ist auf SyntaxHighlighter Evolved gefallen. Hier bin ich für weitere Ideen offen, denn das Teil kann nicht besonders viel, aber es reicht mir für den Moment.

Damit sollten zumindest alle technischen Hürden überwunden sein, um hier wieder aktiver zu werden. Bis zum nächsten Geburtstagspost sind es noch grob 4 Wochen, vielleicht gibt es ja wenigstens davor noch irgend einen anderen Artikel. Mal sehen, gute Vorsätze sind eben auch nur gute Vorsätze.

Stay tuned! Gern auch im Fediverse unter @dasaweb@dasaweb.de.