Gestern musste ich Böhmermann zitieren, heute haut ein andere einen Spruch raus, den ich so von ihm nicht unbedingt erwartet hätte: Der gute alte Helge Schneider. Ich bin seit Jahrzehnten bekennender Helge-Fan. Von keinem anderen Künstler habe ich so viele Konzerte besucht wie von ihm. Zum Start ins Jahr 2017 hielt er heute auf Facebook eine kleine Neujahrsansprache:
Gott der Herr hat den Menschen nicht geschaffen, dass er sich immer ärgert und auch andere ärgert. Gott der Herr hat uns geschaffen und hat auch seinen Sohn Jesus glaub ich geschickt, damit wir leben! Und leben heißt – auch – Spaß haben.
In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein lebendiges Jahr 2017!
Rasieren ist ja nicht so mein Ding, ich lasse lieber zuerst wachsen und dann ab und an rasieren. Vielleicht war mir deshalb “Hanlons Rasiermesser” bisher unbekannt. Es geht bei Hanlon allerdings nicht um ein echtes Rasiermesser, sondern eher um eine Lebensweisheit, mit deren Hilfe man die Wahrscheinlichkeit verschiedener Erklärungsmuster für menschliches Fehlverhalten abschätzen. Der im Englischen unter “Hanlon’s Razor” bekannte Satz ist ganz schlicht:
Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.
Oder in der Kurzform:
Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit genügt.
Vielleicht sollten wir uns Hanlons Rasiermesser im neuen Jahr ab und zu zu Herzen nehmen und lieber auf der Seite der Naivität vom Pferd fallen als auf der des Misstrauens.
(Wenn wir schon dabei sind: Es gibt noch andere “Rasiermesser”, z.B. das (mir) bekanntere “Ockhams Rasiermesser“. Es besagt (etwas verkürzt), dass von mehreren Erklärungsmöglichkeiten die mit der geringsten Komplexität am wahrscheinlichsten ist. Dass man auch damit nicht immer zur richtigen Einschätzung kommt zeigt mindestens jeder zweite Tatort.)
Fest & Flauschig, die Spotify(*)-Radioshow von Jan Böhmermann und Olli Schulz, höre ich ganz gern so neben bei, versüßt sie einem doch z.B. ungeliebte Hausarbeit. Am 19. Dezember veranstalteten die beiden in Berlin im Zirkus Roncalli einen Weihnachtsshow, die sie dann aber wegen des LKW-Anschlags spontan abbrachen. In einer ungeplanten Podcast-Folge sprachen sie jetzt nochmal über die Show, die Gründe für den Abbruch und darüber, wie sie persönlich diese Stunden erlebt haben. Und auch darüber, wie man dieses Ereignis oder generell solche Ereignisse einordnen kann. Gestern beim Hören wurde ich an einer Stelle stutzig: Jan Böhmermann dachte laut (und das viel ihm hier anfangs hörbar schwer) darüber nach, was eine sinnvolle Antwort auf Ereignisse dieser Art sein könnte. Ich zitiere aus der “Notsendung” (ab Minute 50:40):
An dem Abend, wenn man so an (die Grenzen seiner) intellektuellen Möglichkeiten stößt, und selber nicht mehr weiter weiß, gibt es so zwei Richtungen, in die man, glaube ich, in die die Leute dann tendieren: Entweder wird man wütend und geht dann irgendwie auf Angriffsmodus, oder man wird irgendwie so ganz still und geht dann irgendwie so in sich rein und versucht das dann irgendwie auf die nette Art. Und auch so abgedroschen das klingt, und so oft das schon so hippiesk mit irgendwelchen langhaarigen Typen verbunden ist, aber es ist tatsächlich letztlich – es ist echt schwierig, das auszusprechen – aber es ist eigentlich so: Liebe ist eigentlich das einzige, was funktioniert. Und wenn man sich in solchen Situationen da reinlehnt, entlarvt man auch all diejenigen, die Hass wollen. Also gegen Liebe können selbst Nazis nichts ausrichten. Und das macht die vor allen Dingen wütend. Und wer wütend wird, wenn Leute anfangen, nett zueinander zu sein, der kann kein guter Mensch sein, denke ich dann immer. Wer wütend wird, wenn Leute zusammen stehen, und versuchen, zusammen Dinge zu regeln, obwohl sie unterschiedlich sind, wen das wütend macht, der soll dahin gehen wo der Pfeffer wächst. […Wünscht sich ein Lied…] Es ist genau das. Letztlich auch – fröhliche Weihnachten – die Weihnachtsbotschaft. Was sind das eigentlich für komische Typen, die irgendwie das christliche Abendland retten wollen, die diese – das sag ich jetzt als Agnostiker – die diese Grundbotschaft vom Christentum nicht verstanden haben. Dass es irgendwie darum geht, es zusammen irgendwie nett hinzubekommen. Das war übrigens der große USP aller Religionen, warum sich das Ding durchgesetzt hat, weil alle anderen auf Ausgrenzung waren, und die Christen gesagt haben: Nene, die Idee ist, dass wir das mit Liebe zusammen hinbekommen. Deswegen gibt’s diese Religion seit zweieinhalbtausend Jahren. Deswegen feiern auch Leute, die nicht an Gott glauben, gerne Weihnachten, weil die Botschaft stimmt. So.
Ein gutes Wort zum Jahresende.
(*) Technischer Kommentar: Man muss “Fest & Flauschig” nicht zwangsläufig über Spotify hören, sondern kann das dank dieser Seite hier auch mit dem Podcatcher seiner Wahl tun.
Eines vorneweg: Auch wenn ich gern an allem möglichen herumbastle, bei Elektronik hört bei mir der Spaß schnell auf. Ich tausche schon mal defekte Kondensatoren in Netzteilen oder mache aus zwei defekten Kaffeemaschinen eine funktionierende, aber da müssen die defekten Stellen schon durch Rauch oder Feuer auf sich aufmerksam machen. Das große Verständnis von Elektronik fehlt mir. Etwas neidisch beobachtete ich bisher die Bastlerszene, die mit diversen günstigen Bauelementen allen möglichen Kram zusammenzaubert. Und immer wieder hörte ich, dass das alles mittlerweile gar nicht mehr schwer sei. Jeder könne das. Dabei viel immer wieder das Stichwort Arduino.
Im Sommer dachte ich, es wird auch für mich Zeit, mich da mal ein bisschen einzuarbeiten. Also habe ich einen bunten Strauß an Arduinoboards, Sensoren und Aktoren bestellt und zu basteln angefangen: Einfach mal ganz simpel einen Schalter an ein Arduinoboard und damit ein Schrittmotor steuern. Oder mit einem Näherungssensor ein Servo. Oder einfach nur eine LED blinken lassen (ein Unterfangen, an dem ich mit einer analogen Schaltung schnell scheitern würde). Mein Fazit ist: Wer googlen kann, der kann auch Arduino.
Bei diesen Spielereien habe ich irgendwann gelesen, dass diverse Arduinoboards, die ja einfach über die USB-Schnittstelle programmiert werden können, am Rechner auch gleichzeitig als Human Interface Device agieren können, sich also wie eine Maus oder eine Tastatur verhalten. Es ist also relativ leicht, sie als externes Eingabegerät für den Rechner zu verwenden. Dazu sind auch keine speziellen Treiber am Rechner nötig. Board an den USB-Anschluss und fertig.
Die Idee
Damit war die Idee geboren: Beim Bass-Üben stört es mich immer wieder, das Instrument aus der Hand legen zu müssen, um in Spotify nochmal zum Songanfang zu springen, in Youtube-Tutorials vor- oder zurückzuspulen, eine Webseite mit Chords weiterzuscrollen oder einfach nur die Lautstärke des PCs anzupassen. Ich übe in der Regel mit Kopfhörer an einem kleinen Mischpult, an dem auch der Rechner hängt, der mich mit Musik und Tutorials versorgt. Was es braucht ist eine Möglichkeit, diverse Funktionen des Rechners mit den Füßen zu steuern. Sollte mit einem kleinen Arduino machbar sein.
“Digitale Sonnenuhr”, das klingt widersprüchlich. “Digital” meint hier allerdings auch nicht, dass die Uhr digital betrieben wird, es ist eine normale, analoge Sonnenuhr. Aber sie zeigt die Zeit digital an:
Abgefahrene Sache. Und erst einmal ziemlich rätselhaft, wie man das Ding eigentlich konzipieren kann. Das erklärt aber der Macher Mojoptix in einem etwas längeren Video:
Bauen kann man das Teil “einfach” mit einem guten 3D-Drucker, die Baupläne findet man im Netz. Wer keinen 3D-Drucker bei der Hand hat kann das Teil auch kaufen. Einen anderen Weg, so ein Teil zu bauen, sieht der Macher übrigens nicht, seiner Meinung nach ist das nur mit einem 3D-Druck machbar.
Das Rad muss nicht ständig neu erfunden werden. Man sagt das so und meint es metaphorisch. Umso faszinierender, wenn sich jemand daran macht, das trotzdem im wörtlichen Sinne zu tun. Ich habe auf diesem Kanal schon einmal neue Ansätze zum Thema “Rad” gezeigt, aber das heutige geht doch in eine völlig andere Richtung. Und auch das ist nicht metaphorisch gemeint:
Mehr als ein Proof of Concept ist das noch nicht, ich würde gerne mal die Kombination zwischen diesem Antrieb und dem normalen Fahren sehen. Gerne auch bei höheren Geschwindigkeiten z.B. beim Spurwechsel oder so. Aber auch so schon mal eine grandiose Idee.
Seit 1990 baut der Niederländer Theo Jansen seine Strandbeest-Ungetüme. Gebilde aus Plastikrohren, denen der Wind Leben einhaucht. Jansen nennt sie “Lebewesen”, was an der Definition von “Leben” zwar grob vorbeigeht, aber die Illusion ist schon nicht schlecht. Dieses Video hier gibt einen ganz guten Überblick über seine Kreaturen:
Jetzt hat Jansen es aber übertrieben. Er hat seine – zugegebenermaßen faszinierenden – Laufapparaturen mit einem Fahrrad gekreuzt. Zusammen mit dem kalifornischen Bastler-Kollektiv Carv wurde der vierfüßigen Laufmechanismus für das Fahrrad kreiert und eingebaut. Gefahren wird es trotzdem wie ein normales Fahrrad:
Kaffee ist nicht unbedingt meine größte Leidenschaft, und mit diesen Coffee to go-Bechern hatte ich bisher schon mal gar nichts zu tun. Haben so etwas säuglinghaftes, diese Schnabelbecher. Wenn man die des Designers Jang Woo-Seok aber sieht bekommt man fast ein bisschen Lust auf so einen Coffee to go. Vor allem diese eckigen Becher gefallen doch sehr:
Wie nennt man eigentlich diese Art von Design? Polygonal Design?
Wann ist ein Instrument ein Instrument? Auf den ersten Blick ist das einfach, Instrumente sind z.B. Flöte, Trompete, Klavier, Gitarre, Bass usw. Alles, womit man eben Musik machen kann. So einfach ist es aber nicht. Das Theremin z.B., ein berührungslos gespieltes Instrument, welches nur über die Beeinflussung eines elektromagnetischen Feldes funktioniert, werden die wenigsten als Instrument durchgehen lassen:
Was die ortsansässige Musikschule nicht im Angebot hat ist auch kein richtiges Instrument, mag sich so mancher denken. Aber selten sind wir uns im Klaren darüber, dass Musikinstrumente schon immer einem Wandel unterlagen. An dieser Stelle sei an das gute alte Klavier erinnert, das Instrument schlechthin. Das uns bekannte Klavier (“Hammerklavier“) wurde aber z.B. zu Bachs Zeit gerade erst entwickelt, Standard war da eher das Cembalo, mit dem eine ordentliche Dynamik (laut, leise, …) nicht möglich war. Diese neuen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass sich das Klavier einfach durchgesetzt hat uns das Cembalo nur noch selten eine Rolle spielt (sorry SEA+AIR, aber ich höre eure Platte trotzdem noch sehr gerne!).
Vielleicht sind wir da schon bei einem guten Kriterium dafür, was ein “richtiges” Instrument ausmacht: Es muss sich irgendwann durchgesetzt haben. Was sich irgendwann aber einmal durchgesetzt haben wird können wir im Voraus schlecht wissen. Es gibt also immerzu Weiterentwicklungen von Instrumenten, mal nur evolutionär, mal mutiger in richtigen Sprüngen. Vieles davon verschwindet wieder in der Versenkung und wird bestenfalls noch von Exoten gespielt (wie z.B. das oben gezeigt Theremin). Trotzdem kann es einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung anderer Instrumente leisten. Aus vielen parallelen Entwicklungen entsteht dann unter Umständen ein neues Instrument, welches in gewisser Weise standardisiert ist und es irgendwann sogar in das Angebotsrepertoire der einen oder anderen Musikschule schafft.
Lange Vorrede dafür, dass ich hier eigentlich nur eine solche aktuelle Instrumentenentwicklung vorstellen wollte. Und zwar geht es um eine Gitarre, die laut eigener Aussage die erste smarte Gitarre der Welt ist. In erster Linie ist es eine Gitarre, die man einfach als Gitarre spielen kann. Aber sie ist mit diversen Erweiterungen versehen: Tolle Effekte, Möglichkeiten zum Loopen, zusätzliche Bedienmöglichkeiten über Touchinterfaces (erinnern fast ein bisschen an das Theremin!) und so weiter. Schau sie dir an, die “Sensus Smart Guitar” von Mind Music Labs:
Bisher leider nur ein Prototyp und damit noch etwas entfernt vom sich durchsetzen…
Vor einigen Wochen haben wir unseren DSL-Anschluss (16 Mbit/s) auf VDSL (100 Mbit/s) umstellen können. Es hat etwas gedauert, bis 1&1 nach den technischen Umbauten hier im Ort ihn auch wirklich zur Verfügung gestellt hat, die Umstellung an sich ging dann aber ohne nennenswerte Komplikationen oder Ausfälle über die Bühne. Bei dem 100.000er VDSL-Anschluss bietet 1&1 noch die Möglichkeit, den Upload für 3€/Monat von 20.000 auf 40.000 zu erhöhen. Hab ich gemacht, sollte einen spürbarer Vorteil für Anwendungen wie OwnCloud oder den youtubenden Junior bringen.
Seit Anfang des Jahres habe ich auf meinem Raspberry Pi ein Skript laufen, welches in regelmäßigen Abständen einen Speedtest macht:
#!/bin/bash
LOGFILE=~/speedtest.log
# Checken, ob Logfile existiert:
if [ ! -d $LOGFILE ]; then touch $LOGFILE; fi
# Der Pfad zu speedtest muss hier so stehen, denn das Skript wird über cron leider nicht in der BASH ausgeführt...
SPEED=$(/usr/local/bin/speedtest --simple)
ZEIT=$(date +%Y-%m-%d_%H:%M:%S)
echo $ZEIT $SPEED >> $LOGFILE
Die Ergebnisse habe ich mir jetzt einmal angesehen (etwas geglättet):
Das ist schon ein ordentlicher Performance-Schub:
Die Ping-Zeiten gehen um 58% nach unten.
Die Download-Raten gehen um 690% nach oben.
Die Upload-Raten gehen um 4220% nach oben!
Damit kann man jetzt erst mal eine Zeit gut leben. Die nächste Baustelle ist dann eher die Netzwerktechnik im Haus. LAN-Kabel gibt es keine, und trotz WLAN-AC an Router, Repeater und Notebook ist das nicht wirklich befriedigend. Aber ich will jetzt mal nicht jammern…